Warum schreibe ich eigentlich Bücher?

Diese Frage habe ich mir in den letzten Monaten durchaus häufiger gestellt, denn ich habe bis vor wenigen Tagen nicht eine einzige Seite geschrieben. An manchen Abenden habe ich mich an den Laptop gesetzt, das Programm geöffnet und … ja, und das war’s. Mal habe ich den Computer schon nach ein paar Minuten wieder heruntergefahren, manchmal saß ich auch eine halbe Stunde dort, tippte mal hier ein Wort, hier einen Satz und löschte alles direkt wieder. Die Gedanken waren einfach nicht bei der Sache, waren – auf das Schreiben bezogen – wie blockiert.

Vielleicht ist es das, was man als Schreibblockade bezeichnet. Wenn nicht genügend Platz für die Geschichte in den Gedanken ist, wenn sie um Tausende andere Dinge kreisen, ob nun private oder berufliche. Immer wieder habe ich mir gesagt: „Du musst endlich mal wieder etwas schreiben.“

Theorie und Praxis

Muss ich das? Muss ich etwas schreiben? Immerhin bin ich in der glücklichen Lage, dass das Autorendasein nur ein Hobby ist, dass ich mein Geld mit einem „richtigen“ Job (ja, Vollzeitautor wäre natürlich auch ein richtiger Job!) verdiene und nicht darauf angewiesen bin, Geld mit meinen Büchern zu verdienen. Ich schreibe aus Spaß an der Sache.

So weit die Theorie. Doch die Praxis sieht etwas anders aus. Nach der Veröffentlichung des ersten Buchs, der damit einhergehenden Lernkurve (Fehler, Fehler, Fehler …) und erstem positiven Feedback musste ich mir eingestehen, dass es nicht mehr nur darum ging zu schreiben. Das Geschriebene sollte auch gelesen werden – nicht nur innerhalb der Familie und des Freundeskreises – und das bedeutete, dass die Zeit, die in Dinge abseits des Schreibens investiert werden musste, mehr wurde.

Auch wenn das Ausdenken und Schreiben neuer Geschichten viel Spaß macht und ich es für mich nicht als Arbeit bezeichnen würde, ist der Weg vom Ende des Buchs bis zur Veröffentlichung weit und mitunter ziemlich anstrengend. Überarbeiten, nochmals überarbeiten, Anmerkungen von Lektorat und Testlesern überdenken und in die Story integrieren (etwas, das teilweise zu umfangreicheren Umstellungen zwingt), ein Cover finden, das E-Book- und Taschenbuch-Layout erstellen, Marketingmaßnahmen planen, Blogger anschreiben (Rezensionsexemplare), das E-Book bei den Portalen einstellen, das Taschenbuch drucken lassen und so weiter. Einige Dinge davon liegen mir mehr, andere weniger.

Dazu kommt, dass es immer mehr Bücher gibt, immer neue Geschichten, zwischen denen das eigene Werk auf irgendeine – möglichst positive – Weise den Weg zum Leser finden will. Nach herrschender Meinung sollte ein Autor möglichst alle sechs, höchstens zwölf Monate ein neues Werk veröffentlichen. Es gibt haufenweise (auch gute) Autoren, die viel (viel, viel, viel) mehr veröffentlichen als ich. Und ja, manchmal schaue ich etwas wehmütig auf die Chartpositionen meiner Kollegen 🙂

Wunschkonzert

Könnte ich mir das Autorendasein ganz nach Belieben zusammenbasteln (ohne, dass sich am Ergebnis etwas ändert natürlich), würde ich mich wohl ganz auf das Schreiben und die Kommunikation (mit Autoren / Lesern / Bloggern) konzentrieren. Das sind Dinge, die mir liegen, die mir Spaß machen. Aber das Autorsein besteht nun mal aus so viel mehr.

Ich schreibe, worauf ich Lust habe. Oder doch nicht?

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach. Eigentlich. Und eigentlich auch wieder nicht. Bisher habe ich (abgesehen von ein paar Kurzkurzkurzgeschichten) vier Bücher veröffentlicht. Zuerst einen Thriller („Die Frauenkammer“), ein Jahr später einen Jugend-Urban-Fantasy-Roman („Mira Magica – Böse und gut“), 2015 folgte erneut ein Thriller mit „(W)ehe du gehst“ und schließlich im vergangenen Jahr „Schattentäter“, ein Mystery-Thriller. Wie man sieht, ein gehöriger Genre-Mix, einfach deshalb, weil ich eine Idee für eine Geschichte hatte, auf die ich Lust hatte, die ich gern schreiben wollte.

Vor einigen Tagen habe ich mich nun, da der Kopf wieder etwas freier ist, an ein neues Buch gesetzt. Endlich hatte, nein habe ich wieder Lust zu schreiben. Allerdings stellte sich direkt die Frage nach dem „Was“.

Sowohl für „Schattentäter” als auch für „Mira Magica“ habe ich eine Fortsetzung im Kopf und besonders bei Mira juckt es mich schon lange in den Fingern. Aber:

Der Leser bestimmt, was gelesen geschrieben wird

Okay, das ist etwas plump und vereinfacht gesagt, doch im Grunde ist es doch so: So viel Spaß es auch macht, eine Geschichte zu schreiben, so wenig Spaß macht es, wenn sie nach monatelanger Vorarbeit nicht gelesen wird. Insbesondere wenn es sich um die eigene Lieblingsgeschichte handelt.

An dieser Stelle möchte ich einen Vergleich der Verkaufszahlen anstellen. Das Verhältnis verkaufter E-Books (Taschenbücher lasse ich mal allgemein außen vor, da die Zahlen verschwindend gering sind) von „Schattentäter“ zu „Die Frauenkammer“ und „(W)ehe du gehst“ ist in etwa 2 : 9. Auf neun gekaufte Exemplare meiner Thriller kommen also nur zwei Mystery-Thriller. Noch deutlicher ist es bei „Mira Magica – Böse und Gut“. Hier ist das Verhältnis in etwa 1 : 40 bis 1 : 50. Offensichtlich ist es mir nicht gelungen, Zugang zur passenden Zielgruppe zu finden.

Schon bei der Bloggersuche zur Veröffentlichung von „Schattentäter“ (Mira Magica betrifft das noch deutlicher) habe ich gemerkt, dass das Genre schwieriger an die rezensierende Frau zu bringen ist. „Mystery? Sorry, lese ich nicht.“ Das habe ich häufiger gehört und es spiegelt sich auch in den Verkäufen wieder. Die Maßnahmen zum Marketing waren für dieses Buch sogar umfangreicher und geplanter als für die vorherigen, daran sollte es also nicht gelegen haben, und auch der Veröffentlichungszeitpunkt war ähnlich.

Während ich bei „(W)ehe du gehst“ durch dasselbe Genre und wohl auch durch zwei wiederkehrende Personen viele Leser von „Die Frauenkammer“ mobilisieren konnte, waren es bei „Schattentäter“ deutlich weniger, die den kleinen Genrewechsel mitgemacht haben – und den Sprung zu Miras Fantasywelt, na ja, die Zahlen sprechen für sich 😉

Gespaltene Persönlichkeit

Vielfach gibt es die Empfehlung, sich für verschiedene Genres auch verschiedene Pseudonyme zuzulegen. Schreibt jemand sowohl in „normalen“ Genres als auch in Erotik, kann ich das verstehen – auch bei den Hybrid-Autoren, die ihre Verlagswerke klar vom Self-Publishing trennen wollen, oder bei männlichen Autoren, die ihre Liebesromane lieber als Frau veröffentlichen möchten (ergibt durchaus Sinn, finde ich 😉 ).  Sonst denke ich nicht, dass es notwendig ist.

Ich finde sogar, dass sich der höhere Aufwand für die Pflege zweier Pseudonyme nicht lohnt, solange die unterschiedlichen Genres klar am Buchtitel und/oder Cover ersichtlich sind. In der Regel sind die Pseudonyme ja ohnehin nicht geheim und die meisten wissen, um welchen Autor es sich handelt. Mit einem neuen Pseudonym beginnt nun mal auch der Fanaufbau von Neuem.

Ein neues Buch beginnt

Zurück zum eigentlichen Thema. Vor einigen Tagen habe ich mich wieder an einen neuen Text gesetzt – und mich schließlich dazu entschlossen, weder Teil 2 von Schattentäter noch von Mira Magica zu schreiben. Es wird eine Geschichte sein, die im Genre – na, wer hätte es gedacht? – Thriller angesiedelt ist, denn ich möchte möglichst viele der Leser erreichen, die auch meine anderen Thriller gelesen haben.

Ich schreibe noch immer, weil es mir Spaß macht. Das habe ich auf den ersten Seiten der neuen Geschichte wieder gemerkt. Und doch schreibe ich nicht das, was mir am meisten Spaß macht, weil es nicht so gut angenommen wird.

All das ist „jammern auf hohem Niveau“. Vor meiner ersten Veröffentlichung hätte ich nicht gedacht, überhaupt jemals so viele Leser zu haben, wie es inzwischen der Fall ist. Dafür bin ich dankbar.

 

Zu Schluss bleibt die Frage an dich: Wie sieht es bei dir aus? Warum schreibst du, was du schreibst (falls du schreibst)? 😉

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