Weihnachten im Juli – oder: eine bittere Wahrheit

Warnung

Lieber Leser,
der folgende Artikel enthält unter Umständen zynische, sarkastische oder in sonstiger Form nicht ganz ernst gemeinte Aussagen. Die Lektüre geschieht auf eigene Gefahr 😉
Viel Spaß!
Euer Jannes

Weihnachten im Juli

Erinnerst du dich noch an die gute alte Zeit, als Weihnachten noch Weihnachten war? Daran, wie du als kleiner Junge – oder kleines Mädchen – vor der verschlossenen Wohnzimmertür gestanden und gespannt dem geheimnisvollen Rascheln im Zimmer gelauscht hast? Wie du ungeduldig darauf gewartet hast, dass ein leises Glöckchen erklingt, als Zeichen dafür, dass das Christkind alle Geschenke platziert und die Kerzen am Weihnachtsbaum entzündet hat? Nun, die bittere Wahrheit ist: Das Christkind ist tot. Mausetot. Rücksichtslos umgebracht von einem dicken alten Mann aus Amerika, einem knallrot gekleideten Limonadenherstellererwerbegesicht. Selbst vor dem eigenen Kollegen mit der Rute hat er nicht haltgemacht. Verschwunden ist der Schoko-Nikolaus – es lebe der Schoko-Weihnachtsmann. Still und heimlich hat sich das pausbäckige Gesicht mit dem schneeweißen Bart in unser Leben gedrängt. Es grinst uns von Weihnachtskarten, Geschenkpapier, Werbeplakaten und bei unzähligen weiteren Gelegenheiten unverhohlen an, als wolle es sagen: »Ho, ho, ho! Hier bin ich!«.

»Schon wieder?« Dieser Gedanke drängt sich dann beim ungläubigen Blick auf den Kalender auf, der unmissverständlich klarmacht, dass wir tatsächlich Ende August haben. Niemand will sich offenbar das lukrative Vorweihnachtsgeschäft entgehen lassen, und so strahlen uns auf den Verkaufsflächen, in unmittelbarer Nähe der Sommerartikel-Restposten natürlich, bereits zu dieser Zeit Lebkuchen und allerlei Gebäckvarianten an, meterhoch aufgetürmt und unübersehbar.

Wieso nur? Die Antwort ist ganz einfach: Weil es gekauft wird. Vielleicht sträuben wir uns in den ersten Tagen noch dagegen, im Spätsommer eine Packung Zimtsterne in den Einkaufswagen zu legen (Anmerkung des Autors: *hüstel* oder auch nicht). Oder wir verstecken sie unter dem Grillfleisch, um den irritierten und mitleidvollen Blicken anderer Supermarktkunden vorzubeugen. Glücklicherweise dauert es in der Regel nicht lange, bis wir eine weitere Person entdecken, die dem stillen Lockruf der winterlichen Süßwaren erlegen ist. Erleichtert, vielleicht auch ein wenig verschämt, lächeln wir dem Leidensgenossen zu und schieben das Grillfleisch ein paar Zentimeter zur Seite, um auch ihm zu zeigen: »Du bist nicht allein.« Ein kleiner Akt der weihnachtlichen Nächstenliebe.

Ich habe aber noch eine ganz andere Theorie: Dem Sommer fehlt ein Fest! Händeringend suchen die Menschen nach etwas, um die Leere zu füllen und greifen dankbar nach dem Strohhalm der vorgezogenen Vorweihnachtszeit. Immerhin ist es doch so: Von Ende September (manche sogar erst von Oktober) bis Ende Dezember stehen wir alle unter dem Einfluss des Weihnachtsmannes (wir erinnern uns: Das war der Kerl, der das Christkind auf dem Gewissen hat).

Kaum ist der Jahreswechsel hinter uns gebracht, wird der Mann mit der ungesund fülligen Wampe von jemand anderem verdrängt: einem Eier legenden Hasen. Ganz egal, ob Ostern bereits Anfang März oder erst Mitte April gefeiert wird, geht das Angebot, abgesehen von der kleinen Ruhepause nach Neujahr und dem Zwischenspiel des Valentinstags, nahtlos vom Schokoweihnachtsmann zum Schokohasen über. Begleitet vom üblichen Beiwerk. Schokoeier statt Zimtsterne, Weingummihasen statt Weingummibären mit Zipfelmütze, Pralinenpackung mit ›Frohe Ostern!‹ statt ›Frohes Fest!‹. Alles, was wir so brauchen – oder auch nicht brauchen und dennoch kaufen.

Doch dann kommt die Leere. Nach Ostern fallen wir in ein tiefes, tiefes Loch. Keine überteuerten Sondereditionen von Pralinenschachteln mit reduziertem Inhalt mehr, keine Schokoladenhohlfiguren in bedruckter Alufolie, nichts. Und es kommt noch schlimmer, wagen es doch einige Produkte tatsächlich, in eine Sommerpause zu gehen. Was zum Geier sollen wir denn jetzt noch kaufen? Etwa die schnöden Produkte, die es das ganze Jahr über gibt? Das kann doch nicht alles sein! Wir brauchen dringend ein Fest im Sommer, eine Möglichkeit, die Zeit zwischen Ostern und Weihnachten sinnvoll zu überbrücken. Einen Anlass für Weingummi in Blütenform, Schokoladenhohlfiguren als blühende Bäume und Geschenkpralinenschachteln mit einem fröhlichen ›Happy Flowerweek!‹.

Wir brauchen ein ›Weihnachten‹ im Juli.

Nachwort

Zimtsterne – die Vorboten von WeihnachtenHier übrigens der Beweis, dass es durchaus tragische Fälle gibt, die am 28. August eine Packung Zimtsterne kaufen (ich nenne jetzt keine Namen *zwinker*).

Ja, das Bild ist wirklich von heute *seufz*. Ich bin soooo schwach …

6 Gedanken zu „Weihnachten im Juli – oder: eine bittere Wahrheit

  1. Lesenswertes Essay ueber Tradition im Wandel der Zeit mit einer koestlichen Prise Sarkasmus. Eine besondere Ironie sehe ich in der Tatsache, dass die Einleitung wehmuetig ueber die Abwesenheit der Weihnachtstraditionen der glorreichen Vergangenheit klagt, Du dich aber dennoch an der modernen Profanitaet beteiligst, indem du selbst im August Zimtsterne kaufst.

    Es ist nicht an mir dies zu verurteilen, schliesslich habe auch ich meine zynischen Angewohnheiten. Wenn man im Web recherchiert, scheint es ausserdem so als gehoertest Du zu einer Minderheit. Die meisten oeffentlichen Mitteilungen sind gepraegt von Schock und Verwirrtheit, im Sommer Weihnachtsgebaeck in den Marktregalen vorzufinden. Davon kann bei mir lange keine Rede mehr sein, denn seit Jahren rechne ich fest damit, ab September in jedem Supermarkt von diesen suessen Leckereien angelockt zu werden. Nein, bei mir stellt sich zu dieser Jahreszeit eine Mischung aus Amuesement und Empoerung ein. Wie bei den meisten Dingen in der modernen Welt scheint es im ersten Moment so absurd, dass man sich zumindest ein Schmunzeln nicht verkneifen kann. Wird einem schliesslich aber bewusst, dass dies nicht nur ein temporaerer, grotesker Versuch ist eine Marktluecke aufzudecken, sondern so fest zum sommerlichen Inventar gehoert wie Badesachen und Picknickkoerbe, bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

    Hier wird nicht nur das bedeutendste Fest des Kalenderjahres zur Profitsteigerung missbraucht – denn dies war schon immer so. Hier wird nostalgische Familientradition bewusst bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Meine Mutter lehrte mich, dass weihnachtliches Gebaeck wie Lebkuchen und Spekulatius in ihrer Kindheit ausschliesslich zu den Festtagen serviert wurde – das heisst vor Heiligabend war Fasten angesagt. Eine derartige Diskrepanz innerhalb von wenigen Jahrzenten muss man sich einmal vorstellen.

    Nun bin ich bei aller Traditionsbewusstheit nicht so konservativ, dass ich mir in der Adventszeit keine Suessigkeiten goennen wuerde. Im Gegenteil, es vergeht kein Tag im Dezember, an dem ich nicht der himmlichen Genussvielfalt des Weihnachtsgebaecks froene. Es ist fuer mich so eng mit der Adventszeit verbunden wie festlich dekorierte Heime mit schneebedeckten Daechern, Schlittenfahrten und Tannenduft. All diese Dinge schaffen eine Atmosphaere, welche die Adventszeit zur schoensten Saison des Jahres machen. Wo aber liegt der Reiz, wenn diese besondere Zeit auf 4 Monate ausgeweitet wird? Ist der erste Lebkuchen im Advent das gleiche intensive Erlebnis, wenn ich vorher 3 Monate lang so viel davon gegessen habe, dass man von Herbstspeck sprechen kann?

    Nicht nur, dass der Einzelhandel die Weihnachtszeit von einer besinnlichen Erfahrung zu einem viermonatigen Fressmarathon degradiert, er missachtet gleichzeitig eine Jahreszeit, die es ebenfalls zu wuerdigen gilt: den Herbst. Aber von einer Generation, fuer die Christstollen Strandproviant ist, kann man wohl kaum genug Sensibilitaet erwarten, um die wundervollen Reize der Herbstmonate entsprechend wertzuschaetzen. Der Geruch des nassen Laubs nach einer verregneten Oktobernacht. Das Farbenspiel des Winds, der die bunten Blaetter umherwirbelt. Die feuchte Luft, die einem das Gefuehl vermittelt, dass die Natur sich nach Monaten der Trockenheit endlich satt trinken kann. Die frische Ernte, die in dieser Zeit auf den Feldern prankt. All das wird ignoriert, man will die Wahrnehmung der Kunden sofort von Sommer zu Weihnachten umschalten. Die Haendler bestellen ab August nichts mehr nach, heisst von jetzt an nur noch Restbestaende vermarkten. Dumm fuer alle, die erst kurz vor Weihnachten Lust auf Lebkuchen bekommen, denn dann sind die Bestaende leider restlos ausverkauft. Zu groß ist die Angst bei den Haendlern, dass nach den Feiertagen noch Lebkuchen übrig ist und verramscht werden muss. Als waere der Dreistigkeit mit all dem noch nicht genuege getan, rechtfertigen die Haendler den spaetsommerlichen Weihnachtsverkauf damit, es handele sich um „Herbstgebaeck“. Die Chutzpe muss man erstmal zeigen, ein heiliges Fest durch Profitgier zu entehren und als Ausrede einen Fantasienamen zu kreiren.

    Diese Gleichgueltigkeit gegenueber jahrhundertealten Traditionen ist ein weiterer Hinweis auf die moderne, schnelllebige Gesellschaft, die nur von Like zu Tweet lebt und fuer Momente der Ruhe und Reflexion, wie sie die Adventszeit bieten soll, laengst zu ungeduldig ist. Also schlaegt man sich den Bauch bereits Monate vorher mit Weihnachtsspezialitaeten voll, damit man an den eigentlichen Festtagen Zeit fuer die wirklich wichtigen Dinge im Leben hat: Saufen, rumhuren und der Verwandschaft auf den Geist gehen. Freue Dich O Christenheit!

    PS: Trotz deines bewusst sarkastischen Tons wuerde mich interessieren, ob einigen Aussagen ernsthafte Ansichten zugrundeliegen. Da ist zum einen die Aversion gegen Santa Claus, der im deutschen Sprachraum „Weihnachtsmann“ genannt wird, und die damit einhergehende, offensichtliche Bevorzugung des „Christkinds“. Zunaechst einmal wuerde mich brennend interessieren, wie Du Dir das Christkind vorstellst. Und bitte nicht bei Wikipedia spicken! Mich interessiert nur deine rein persoenliche Vorstellung, heute und in Deiner Kindheit (falls diese sich unterscheiden). Meine sah so aus: Baby Jesus, nur mit einer primitiven Windel bekleidet, fliegt wie Superman durch die Wohnzimmerfenster und hinterlaesst Geschenke. Du musst zugeben, das ist nicht unbedingt ein sehr glaubwuerdiges Szenario, selbst fuer den naiven Verstand eines kleinen Kindes. Zugegeben, ein dicker Opa, der die Geschenke mit einem fliegenden Rentierschlitten transportiert und durch Schornsteine in die Haeuser bringt, ist auch nicht gerade was man gewoehnlich nennen wuerde – aber glaubhafter als das Christkind in meinen Augen allemal. Wenigstens hat er einen Sack zum Transport der Geschenke und die Rentiere fliegen nur durch Feenstaub (ein bekanntes Element aus Peter Pan). Der gute Mann selbst ist ein einfacher Mensch, dem Unsterblichkeit geschenkt wurde, um alle Kinder der Welt zu beschenken, da er selbst in seinem Erdenleben keine hatte. Selbst rein mythologisch betrachtet eine realistischere Vorstellung als ein fliegendes Super Baby, dass ohne jedes Hilfsmittel Milliarden von Kindern Geschenke bringt. Die meisten meiner deutschen Freunde aelteren Semesters gaben auf meine Nachfrage an, ueberhaupt keine Vorstellung vom Christkind gehabt zu haben! Ob es mangelnde Fantasie oder Mangel an Bildern in Film und TV war, kann ich nicht sagen aber so oder so scheint Santa Claus in dem Fall die interessantere Alternative zu sein.

    Davon abgesehen kann ich die Abneigung gegen Santy (so wird der baertige Gabengeber in den Suedstaaten der USA genannt) im deutschsprachigen Raum durchaus nachvollziehen. Man sieht es nunmal nicht gern, wenn jahrzehntelange Traditionen auf einmal ersetzt werden. Inwiefern Father Christmas (der britische Name des alten Herrn im roten Anzug) mehr Schaden anrichtet als Weihnachtsgebaeck im Sommer ist mir nicht klar, aber ich will nicht abschweifen. Es ist trotz aller Kritik wenig verwunderlich, dass die Figur des Santa Claus – weltweit – heute eine solch enorme Popularitaet einnimmt. Der Grund sollte jedem aufmerksamen Beobachter bewusst sein: Hollywood. Wie soll man bestehende Kulturen und Traditionen einer Gesellschaft aufrechterhalten, wenn man seinen Kindern permanent Filme aus dem Ausland praesentiert? Wie sollen die kleinen Racker sich denn bitte diesem als stets froehlich und gutmuetig dargestellten alten Mann entziehen, der sie obendrein jedes Jahr mit Geschenken beglueckt? Der deutsche Raum hat es schlicht versaeumt, die Figur des Christkinds entsprechend zu vermarkten. Das schnelle Geld durch die Distribution amerikanischer Weihnachtsfilme war den deutschen Studios wohl lieber, als eigene Werke zu kreieren. Mit Ausnahme der KiKa-Produktion „Beutolomaeus“ – bei der jedoch wieder die Figur des Weihnachtsmanns die Hauptrolle hat. Sich bewusst amerikanische Werke ins Land zu holen und sich dann ueber den amerikanischen Einfluss zu beschweren, ist aber mal wieder – typisch Deutsch!

    1. Ach du meine Güte, jetzt bin ich gerade erst einmal platt 🙂 Mit so einem ausführlichen Kommentar hatte ich nicht gerechnet. Dennoch bedanke ich mich herzlich dafür und möchte auch gern auf die einzelnen Punkte eingehen.

      Eine besondere Ironie sehe ich in der Tatsache, dass die Einleitung wehmuetig ueber die Abwesenheit der Weihnachtstraditionen der glorreichen Vergangenheit klagt, Du dich aber dennoch an der modernen Profanitaet beteiligst, indem du selbst im August Zimtsterne kaufst.

      Auf jeden Fall. Aus diesem Grund schrieb ich am Ende ja „ich bin schwach“. Ehrlich gesagt liegt es aber auch ein wenig daran, dass ich eine Laktoseintoleranz habe und recht wählerisch bin, was Süßigkeiten angeht, daher sind Zimtsterne (nein, an Lebkuchen habe ich mich die letzten Jahre wohl übergessen) eine willkommene Abwechslung (geschmacklich), was nicht heißt, dass ich gut finde, wie früh sie verkauft werden – ein Dilemma 🙂

      Du hast recht, dass diese Entwicklung schon einige Jahre fortschreitet, doch so früh wie in diesem Jahr war es zumindest bei uns meines Wissens nach die letzten Jahre nicht. Gerechnet hatte ich eigentlich mit Mitte September. Dennoch ist es in gewisser Weise eine Marktlücke, die geschlossen wird, sonst wäre die Zeit zwischen Osterkram und Weihnachtskram einfach viel zu lang.

      Meine Mutter lehrte mich, dass weihnachtliches Gebaeck wie Lebkuchen und Spekulatius in ihrer Kindheit ausschliesslich zu den Festtagen serviert wurde – das heisst vor Heiligabend war Fasten angesagt. Eine derartige Diskrepanz innerhalb von wenigen Jahrzenten muss man sich einmal vorstellen.

      Das war bei uns weit weniger streng. Gefastet wurde nicht, aber Weihnachtsgebäck gab es (soweit ich mich korrekt erinnere) erst etwa ab dem ersten Advent. Das ist jetzt gute 20 Jahre her. Daher stimme ich dir zu, die Diskrepanz ist extrem.

      Wo aber liegt der Reiz, wenn diese besondere Zeit auf 4 Monate ausgeweitet wird? Ist der erste Lebkuchen im Advent das gleiche intensive Erlebnis, wenn ich vorher 3 Monate lang so viel davon gegessen habe, dass man von Herbstspeck sprechen kann?

      Kurze Antwort: Nein, ist es nicht. Für mich ist das einzig Besondere zu Weihnachten (auf Süßkram bezogen natürlich) das Selbstgebackene. Ansonsten haben wir einen Baum, gemeinsam geschmückt, und machen uns einen schönen Abend am 24.

      Nicht nur, dass der Einzelhandel die Weihnachtszeit von einer besinnlichen Erfahrung zu einem viermonatigen Fressmarathon degradiert, er missachtet gleichzeitig eine Jahreszeit, die es ebenfalls zu wuerdigen gilt: den Herbst. […] Die Haendler bestellen ab August nichts mehr nach, heisst von jetzt an nur noch Restbestaende vermarkten. Dumm fuer alle, die erst kurz vor Weihnachten Lust auf Lebkuchen bekommen, denn dann sind die Bestaende leider restlos ausverkauft.

      An dieser Stelle musste ich einmal herzhaft lachen. Sehr treffend geschildert. Aber ist das nicht im Grunde genau dasselbe wie mit Kleidung und allem anderen? Mitten im Hochsommer wird der SSV begonnen, um dann Ende August damit anzufangen, die Ständer und Regale mit der Herbst-Winter-Kollektion zu befüllen. Man bemerke, dass auch hier der Herbst nur in Verbindung mit dem Winter genannt wird 😉

      […] damit man an den eigentlichen Festtagen Zeit fuer die wirklich wichtigen Dinge im Leben hat: Saufen, rumhuren und der Verwandschaft auf den Geist gehen.

      So weit ist es bei uns zum Glück nicht. Wir freuen uns tatsächlich auf den Besuch von oder bei der Verwandtschaft zu Weihnachten. Wir bestehen auch darauf, dass die Geschenke eins nach dem andern ausgepackt und nicht – wie leider allzu häufig üblich – in Laubfräsermanier von ihrem Papier befreit und nach einem kurzen Blick zur Seite gestellt werden.

      PS: Trotz deines bewusst sarkastischen Tons wuerde mich interessieren, ob einigen Aussagen ernsthafte Ansichten zugrundeliegen. Da ist zum einen die Aversion gegen Santa Claus, der im deutschen Sprachraum „Weihnachtsmann“ genannt wird […]

      Aversion ist etwas zu viel gesagt. Ich bin einfach mit dem „Christkind“ aufgewachsen, bei uns gab es keinen Weihnachtsmann – oder zu uns kam er zumindest nicht. Zu Nikolaus wurden brav die (natürlich geputzten) Schuhe vor die Tür gestellt und an Heiligabend vor der mit Geschenkpapier beklebten Glastür zum Wohnzimmer auf das Läuten des Christkindes gewartet. Diese Vorstellung finde ich, auch rückblickend gesehen, deutlich charmanter als die Alternative.

      Zunaechst einmal wuerde mich brennend interessieren, wie Du Dir das Christkind vorstellst.

      Vorweg gesagt: Ich bin nicht wirklich gläubig. Vorgestellt habe ich es mir im Grunde als Engel, so wie man sie schon damals gezeichnet hat – und damit meine ich in Kinderbüchern, nicht im Fernsehen, denn das gab es bei uns bis zur späten Kindheit nur sehr eingeschränkt.
      Insofern finde bzw. fand ich es auch glaubhafter, dass ein Engel mit seinen Helferengeln die Geschenke bringt als ein dicker Mann, der ‚Ho! Ho! Ho!’ ruft und eigentlich erst in der Nacht zum ersten Weihnachtstag kommt.

      Inwiefern Father Christmas (der britische Name des alten Herrn im roten Anzug) mehr Schaden anrichtet als Weihnachtsgebaeck im Sommer ist mir nicht klar, aber ich will nicht abschweifen.

      Keineswegs mehr Schaden, das bewegt sich, denke ich, auf einer ganz anderen, nicht vergleichbaren Ebene.

      Am Ende möchte ich noch einmal sagen: Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hoffe, ich habe alles zu deiner Zufriedenheit beantworten können, sonst darfst du mir gern einmal auf die Finger klopfen und Nachbesserung einfordern 😉
      Herzliche Grüße
      Jannes

      1. Vielen Dank fuer Deine ausfuehrliche Antwort! Hatte schon befuerchtet, dass mein Kommentar vielleicht gar nicht erst veroeffentlicht wird wegen der teils sehr scharfen Ausdrucksweise. Da du selbst eine Vorliebe fuer Sarkasmus zu haben scheinst, dachte ich mir dann aber ich lass es so stehen. Ich hoffe bloss, Du hast mein Beklagen ueber die moderne Gesellschaft nicht auf Dich bezogen. Falls doch entschuldige ich mich aufrichtig; ich wollte lediglich ein allgemeines Statement zum Thema Weihnachten im Sommer abgeben, da es dazu nicht allzuviele Artikel gibt. Dein Essay hat mir so gut gefallen, dass ich nicht umher kam zu kommentieren. Hinter jeder sarkastischen Bemerkung steckt auch immer ein bisschen Wahrheit und leider gibt es wirklich Individuen, die den Sinn des Weihnachtsfests komplett auf den Kopf stellen. Den Einzelhandel natuerlich eingeschlossen.

        Ich habe gestern Abend nochmal mit meiner lieben Mutter zur Christkind-Weihnachtsmann-Debatte Ruecksprache gehalten und sie bei der Gelegenheit auf Deinen Artikel verwiesen. Sie teilt Deine Ansichten in diesem Punkt und empfand die viele Werbung mit good ol‘ Santa auch immer als nervig. Ich wuchs in den 90s auf und soweit meine Erinnerung zurueckreicht, war ich immer von der Figur des Weihnachtsmanns verzaubert. Das brachte die Kabel-TV Generation eben so mit sich und da ich seit Kindesbeinen an grosser Filmliebhaber bin, war der amerikanische Einfluss unvermeidlich. Das Christkind kannte ich nur durch Lieder und Erzaehlungen, an bildliche Darstellungen jeglicher Art erinnere ich mich nicht. Erst im jugendlichen Alter sah ich einmal einen Report ueber den Nuernberger Christkindlmarkt im TV, wo eine junge Lady mit goldenen Locken in Engelsgestalt das Christkind spielte.

        Da ich an Weihnachtsfeste vor meinem 11. Lebensjahr leider fast keine Erinnerung mehr habe, fragte ich meine Mutter, wer denn in dieser Zeit bei uns die Geschenke brachte. Obwohl sie mit dem Glauben ans Christkind aufwuchs und es als sehr magisch empfand, tat sie sich schwer uns etwas „vorzuspielen“ und hat uns deshalb zwar den Hintergrund von Weihnachten nahegebracht aber alles Weitere unserer Fantasie ueberlassen. Ein sehr ehrlicher Ansatz wofuer ich ihr heute sehr dankbar bin! Ich haette schon sehr frueh allein den Weihnachtsmann entdeckt, meinte sie, und diesen Glauben wollte sie nie zerstoeren.

        An dieser Stelle erinnere ich gern an das beruehmte Editorial „Yes, Virginia, There Is a Santa Claus“ von Francis P. Church aus dem Jahr 1897. Es bietet einen philosophischen Ansatz zur symbolischen Bedeutung der Figur aus einer Zeit lange vor dem Beginn der Werbehysterie. Die Abneigung im deutschen Sprachraum resultiert wohl eben gerade daher, dass man ihn in erster Linie mit Profitgier verbindet, da das o.a. Editiorial in deutschen Kreisen deutlich weniger bekannt ist als z.B. die Coca Cola Weihnachtstrucks. Es beleuchtet auf poetische Weise die Beschaffenheit der Faszination Santa Claus wieder, die nichts mit der Profanitaet zu tun hat, welche heute meist aufgrund der Werbeindustrie konnotiert wird. Als Autor kennst du dessen Inhalt wahrscheinlich schon, fuer alle anderen hier eine deutsche Uebersetzung auf Wikipedia:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Gibt_es_einen_Weihnachtsmann%3F

        Etwas irritiert bin ich ueber deine Anmerkung, du seist „nicht wirklich glaeubig“. Vage ist wohl die treffendste Bezeichnung fuer eine derartige Formulierung. 😉 Ich hoffe ich werde nicht zu persoenlich wenn ich hier nachhake, aber aufgrund der Tatsache, dass es hier um ein religioeses Fest geht, ist es meines Erachtens notwendig, um eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu finden. Die christliche Bedeutung von Weihnachten wurde mir schon als Kind nahegebracht. Trotz dessen ich grosse Freude an den von Menschen hinzugefuegten Traditionen finde (Tannenbaum, Dekoration etc), waere ein Fest ohne Anlass fuer mich nichts weiter als blinder Aktivismus. So ist es doch erst die religioese Tiefe, welche die besondere Atmosphaere schafft. Ich erinnere an traditonelle Werke wie Adeste Fideles, Stille Nacht oder Charles Dickens‘ „A Christmas Carol“. Und das sage ich als ungetaufter Santa Claus-Believer und grosser Liebhaber von saekularen Songs wie „Jingle Bills“ und „White Christmas“. Dies sei erwaehnt, um meine Aussagen in den richtigen Kontext zu setzen.

        Zum Schluss wuerde mich noch interessieren, ob du moeglicherweise in Sueddeutschland residierst. Da diese Region weit religioeser gepraegt ist, koennte ich mir vorstellen, dass deshalb „erst“ ab Mitte September Weihnachtsgebaeck verkauft wird, damit sich gewisse konservative Kreise nicht zu stark empoeren. Ich wohne in einem Kaff an der hessischen Grenze, und hier sah ich zum ersten Mal ca. 2008 im REWE schon im August Lebkuchen (vorher war es mir auch immer erst im September aufgefallen).

        Ach und nochwas zur meiner These „Sarkasmus basiert auf Wahrheit“: Bist du wirklich fuer ein Fest im Sommer, um die Leere zwischen Ostern und Weihnachten auszufuellen? Ich empfand es naemlich tatsaechlich als eine Art festliche Durststrecke. Aber das mag an der Natur meines Wesens liegen. Ich bin kurz nach Weihnachten geboren und auch das schoenste Sommerwetter kann dem Winter fuer mich keine Konkurrenz machen. 😉 Und einfach so aus diesem Anlass ein neues Fest aus dem Boden zu stampfen wuerde sowieso nichts bringen (siehe „blinder Aktivismus“).

        1. Vielen Dank fuer Deine ausfuehrliche Antwort! Hatte schon befuerchtet, dass mein Kommentar vielleicht gar nicht erst veroeffentlicht wird wegen der teils sehr scharfen Ausdrucksweise.

          Die Sorge war unbegründet 😉

          Ich hoffe bloss, Du hast mein Beklagen ueber die moderne Gesellschaft nicht auf Dich bezogen.

          Nein, nein. Alles gut.

          Dein Essay hat mir so gut gefallen, dass ich nicht umher kam zu kommentieren.

          Das freut mich natürlich sehr.

          Da ich an Weihnachtsfeste vor meinem 11. Lebensjahr leider fast keine Erinnerung mehr habe, fragte ich meine Mutter, wer denn in dieser Zeit bei uns die Geschenke brachte.

          Bei mir gibt es auch viele Dinge, an die ich mich aus der Kindheit nicht mehr erinnere. Weihnachten gehört nicht dazu. Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass wir viele Fotos aus dieser Zeit haben. Meine Mutter hat sich damals die Mühe gemacht, insgesamt 7 (in Worten: sieben!) Fotoalben anzulegen, die Großteils den Lebensabschnitt bis zum 14. Lebensjahr behandeln, also die Zeit von 1981 bis 1995.
          Wir haben damals sogar unser Geschenkpapier selbst mit Kartoffeldruck gestaltet. Drei Jungs, drei verschiedene Farben: Rot, Grün, Blau. Das „Christkind“ hat das Papier dann abgeholt und unsere Geschenke darin verpackt.

          An dieser Stelle erinnere ich gern an das beruehmte Editorial „Yes, Virginia, There Is a Santa Claus“ […]. Als Autor kennst du dessen Inhalt wahrscheinlich schon, fuer alle anderen hier eine deutsche Uebersetzung auf Wikipedia.

          Ehrlich gesagt kannte ich ihn bis jetzt nicht. Wenn auch etwas pathetisch, ist er gut 😉

          Etwas irritiert bin ich ueber deine Anmerkung, du seist „nicht wirklich glaeubig“. Vage ist wohl die treffendste Bezeichnung fuer eine derartige Formulierung. ? Ich hoffe ich werde nicht zu persoenlich wenn ich hier nachhake […]

          Ich werde zwar jetzt nicht allzu genau darauf einzugehen (ich halte mich aus öffentlichen Diskussionen heraus, wenn es um Religion oder Politik geht), aber ich kann zumindest etwas darauf antworten. Ich glaube daran, dass es Dinge gibt, die nicht erklärbar sind, aber nicht an das Institutionalisierte. Ich weiß, das lässt jetzt sehr viel Raum für Interpretationen, doch leider war es das 😉

          Trotz dessen ich grosse Freude an den von Menschen hinzugefuegten Traditionen finde (Tannenbaum, Dekoration etc), waere ein Fest ohne Anlass fuer mich nichts weiter als blinder Aktivismus.

          Das sehe ich anders. Aktivismus wäre es für mich, wenn keinerlei Sinn dahinterstände. Es ist aber auch so ein Fest, zu dem man sich eine Freude macht, gemeinsam (mehr oder weniger besinnliche) Zeit verbringt und auch einmal etwas „inne hält“.

          Zum Schluss wuerde mich noch interessieren, ob du moeglicherweise in Sueddeutschland residierst.

          Im Gegenteil. Ich bin in Ostwestfalen aufgewachsen und wohne inzwischen in Koblenz 😉

          Ach und nochwas zur meiner These „Sarkasmus basiert auf Wahrheit“: Bist du wirklich fuer ein Fest im Sommer, um die Leere zwischen Ostern und Weihnachten auszufuellen?

          Das war von meiner Seite aus eher ironisch gemeint. Ich bin „Fische“, also ein Frühjahrs- und noch dazu Sonntagskind. Dennoch vermisse ich persönlich kein Fest im Sommer. Es reicht ja, dass man da meist in den Urlaub fährt, ein Urlaubsfest sozusagen. Nur gibt es dafür eben keine speziellen Süßwaren 😉

  2. OK, ich dachte mir, dass die Sache mit dem Sommerfest nicht Ernst gemeint war. Dafuer klang „Happy Flowerweek“ auch einfach zu sehr nach Hippie Parade. Bezueglich des Urlaubs stimme ich dir zu, mir gefaellt der Sommer auch so wie er ist. Warum der Einzelhandel die Festtagsluecke unbedingt schliessen will erschliesst sich mir sowieso nicht, gibt doch genug Kram, den man im Sommer verkaufen kann, wer braucht da noch non-saisonale Suessigkeiten? Zumal es hier Sonntag und Montag ueber 30 Grad war, da schmilzt das Zeug doch bevor man zu Hause ankommt.

    Was Fotoalben aus der Kindheit angeht muesste ich nachzaehlen, aber es koennte sogar ein zweistelliger Wert bei uns sein. Da war unsere Mutter ebenfalls sehr gewissenhaft. Es hilft sicher, sich an Dinge besser zu erinnern, wenn man sie sich mit Hilfe von Bildern immer wieder ins Gedaechtnis rufen kann. So erinnere ich mich sehr detailliert an meine fruehen Lebensjahre, aber, trotz genuegend Bildern, merkwuerdigerweise nicht an Weihnachten, obwohl wie Du merkst es mir immer sehr wichtig war. Das Weihnachtsfest kurz vor meinem 11. Geburtstag war das erste, welches meine Mutter mit Camcorder aufzeichnete. Ergo konnte ich es gar nicht vergessen.

    „Ich glaube daran, dass es Dinge gibt, die nicht erklaerbar sind[…]“

    Sich Dinge nicht erklaeren zu koennen, ist die Folge von Unwissenheit. Ich verstehe denke ich deinen Ansatz, ist nur unpassend formuliert. Wenn man sich etwas nicht erklaeren kann, ist das ein faktischer Status und hat nichts mit Glauben zu tun. Glaube ist Vertrauen in etwas, fuer das es keine Garantie gibt. Hast Du eine Vorstellung, wer oder was das Unerklaerliche verursacht, kannst Du daran glauben. Akzeptiert man es hingegen einfach, ohne sich weiter damit zu befassen, ist es schlicht eine unerklaerliche Tatsache, die keinen Glauben erfordert.

    Du brauchst aber auch wirklich nicht naeher darauf einzugehen, denn deine Ansichten zur Sinnhaftigkeit des Weihnachtsfests sprechen schon eine deutliche Sprache. 😉 Ich verstehe durchaus die „weltlichen Reize“ von Weihnachten und geniesse sie wie ich bereits erwaehnte in vollen Zuegen. Allerdings sehe ich nicht viel Sinn dahinter, an traditionellen religioesen Ritualen zu partizipieren, ohne sich mit den dahinterstehenden Glaubensvorstellungen identifizieren zu koennen. Und das ist jetzt wieder ganz allgemein gesprochen und nicht auf Dich persoenlich bezogen, da ich Deine genauen Ansichten ja nicht kenne (aber GLAUBE eine ziemlich gute Vorstellung davon zu haben, nach den Infos die Du mir gegeben hast 😉 ). Diese religioesen Rituale dann auch noch an exakt demselben Datum zu praktizieren, wie die dahinterstehende Religionsgemeinschaft, ist nicht gerade Ausdruck eines unabhaengigen Geistes. Warum richtet man sich nach den Kalendereintraegen genau derer Institutionen, von denen man sich permanent oeffentlich distanziert? „Inkosequent“ ist das treffendste Adjektiv, das mir dazu einfaellt. Ein haeufiges Gegenargument ist die Theorie, dass Weihnachten urspruenglich sowieso ein heidnisches Fest war bzw. dass die Rituale nur vom Christentum uebernommen wurden. Selbst wenn dies stimmte, was historisch sehr umstritten ist, waren die Festlichkeiten immer mit religioeser Verehrung verbunden.

    Aber ist es nicht herrlich ironisch: Du bist mit dem traditionellen, religioes behafteten Glauben an Engel und das Christkind aufgewachsen und beklagst den „Tod“ desselbigen in Form der heute so dominanten Praesenz des Weihnachtsmanns. Die Geburt Christi ist fuer dich aber nicht der primaere Anlass zur Feier des Weihnachtsfests. Ich hingegen bin mit der im deutschen Sprachraum so scharf kritisierten, angeblich viel zu weltlichen Figur des Weihnachtsmanns aufgewachsen und hatte praktisch keinen Bezug zum Christkind als Gabenbringer. Trotzdem hat der christliche Hintergrund des Weihnachtsfests fuer mich, trotz meiner Vorliebe fuer Santa Claus, Eggnog und Bing Crosby, nie seine zentrale Bedeutung verloren. Schon lustig wie sich zwei Persoenlichkeiten mit aehnlichen Voraussetzungen voellig unterschiedlich entwickeln koennen (ich habe auch zwei Geschwister, bin auch in Ostwestfalen aufgewachsen und wohne heute ~50km von Koblenz). Nur dass du knapp eine Dekade vor mir geboren wurdest, also eigentlich bessere „Chancen“ hattest, spaeter einmal eine „traditionelle Weltanschauung“ (for lack of a better word) zu vertreten, als ich in der von weltlicher Oberflaechlichkeit durchzogenen TV-Generation der 1990s. Ein solches Szenario ist schon faszinierend. Da kommt mir gleich wieder die ewige Debatte „nurture versus nature“ in den Sinn. Deine Beschreibung des von mir als philosophisches Essay verehrten o.a. Editiorials als „pathetisch“ ist charakteristisch fuer den Kontrast unserer Persoenlichkeiten.

    Nichtsdestoweniger fand ich grossen Gefallen an unserem Dialog, allein schon weil ich ein grosser Freund der Rhetorik bin, wie Dir sicher aufgefallen ist. 😉 Mein Schreibstil ist aber zum Grossteil der Tatsache geschuldet, dass meine Kommentare oeffentlich einsehbar sind und ich deshalb stets bemueht bin, deren Inhalte nicht nur verstaendlich, sondern auch informativ und unterhaltsam fuer zukuenftige Besucher zu gestalten. Selbstverstaendlich respektiere ich Deinen Wunsch, die religioesen Elemente dieses Themas nicht weiter zu beleuchten. Es sei vermerkt, dass ich Dein Essay wahrscheinlich gar nicht erst kommentiert haette, wenn ich ihn nicht als stille Kritik an der fortschreitenden Sekularisierung des Weihnachtsfests interpreriert haette. Trotz meines Alters und des aktuellen Zeitgeists, hat fuer mich Weihnachten noch immer wie selbstverstaendlich einen religioesen Bezug und dabei vergesse ich oft, dass es vielen nicht so geht. Dies nur nochmal, um meine Ausfuehrungen in Retroperspektive richtig einordnen zu koennen.

    1. Sich Dinge nicht erklaeren zu koennen, ist die Folge von Unwissenheit.

      Da muss ich jetzt spitzfindig sein 😉 Ich sagte „Dinge, die nicht erklärbar sind“, nicht „Dinge, die ich mir nicht erklären kann“. Ersteres hat eher empirischen Charakter, letzteres persönlichen.

      Aber ist es nicht herrlich ironisch: Du bist mit dem traditionellen, religioes behafteten Glauben an Engel und das Christkind aufgewachsen und beklagst den „Tod“ desselbigen in Form der heute so dominanten Praesenz des Weihnachtsmanns. […] Schon lustig wie sich zwei Persoenlichkeiten mit aehnlichen Voraussetzungen voellig unterschiedlich entwickeln koennen […].

      Da kann ich nur zustimmen. Wobei es so vieles gibt, das die Entwicklung beeinflusst, dass es fast schon unwahrscheinlicher wäre, wenn sich jemand unter diesen Voraussetzungen identisch entwickelt.

      Deine Beschreibung des von mir als philosophisches Essay verehrten o.a. Editiorials als „pathetisch“ ist charakteristisch fuer den Kontrast unserer Persoenlichkeiten.

      Da hast du sicherlich recht. Ich hab es nicht so sehr mit der Philosophie. Da wären wir übrigens bei der nächsten Ironie 😉 Ich habe in der Oberstufe Philosophie wählen müssen, da Religion nicht infrage kam.

      Nichtsdestoweniger fand ich grossen Gefallen an unserem Dialog, allein schon weil ich ein grosser Freund der Rhetorik bin, wie Dir sicher aufgefallen ist.

      Ich bedanke mich dafür, es war mal etwas Anderes, sich in dieser Form auszutauschen, da es doch über das hinausgeht, was normalerweise als Feedback zu meinen Büchern zu erwarten ist. Okay, die sind auch weit weniger ironisiert oder satirisch, um nicht zu sagen gar nicht.

      Mein Schreibstil ist aber zum Grossteil der Tatsache geschuldet, dass meine Kommentare oeffentlich einsehbar sind und ich deshalb stets bemueht bin, deren Inhalte nicht nur verstaendlich, sondern auch informativ und unterhaltsam fuer zukuenftige Besucher zu gestalten.

      Sehr löblicher Ansatz.

      In diesem Sinne, noch einmal herzlichen Dank für deine ausführlichen Gedanken und die Beschäftigung mit dem Text.

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