Begleitendes Testlesen und Lektorat

Leider ist es im Moment ein wenig ruhig geworden auf meinem Blog. Das liegt einfach daran, dass ich sehr viel mit der „normalen Arbeit“ zu tun habe, und somit wenig Zeit für die Schriftstellerei bleibt. Diese knappe Zeit investiere ich dann zum großen Teil ins Schreiben am Roman. Nun ist es aber an der Zeit für einen neuen Beitrag zum Thema Schreiben.

Ich weiß nicht, wie ihr es macht, aber oft lese ich, dass Autoren ihr Werk zu Ende schreiben, selbst noch ein paar Mal überarbeiten und erst dann zu Testlesern geben. Wenn diese es gelesen haben und die Rückmeldungen eingearbeitet sind, geht der Roman dann zum Lektorat bzw. Korrektorat.

Bei mir läuft es anders. Ich gebe den Roman bereits in Häppchen an die ersten Testleserinnen und das Lektorat, meist in Abschnitten, die einen Umfang von 10 bis 20 Normseiten haben. Für mich hat dieses Vorgehen einen unschätzbaren Vorteil: Ich kann sofort reagieren.

Vor einiger Zeit ist es mir passiert, dass die Rückmeldung der Testleserin nach einem Abschnitt geradezu „vernichtend“ war, denn sie konnte eine zentrale Entscheidung der Protagonistin nicht nachvollziehen, fand sie unlogisch. Beim Schreiben ging es mir überhaupt nicht so, doch je länger ich mit ihr darüber gesprochen habe, desto mehr wurde mir klar, dass sie wohl recht hatte. Auch im Gespräch mit der Lektorin wurde diese Kritik bestätigt, sodass ich für einen Moment daran dachte, das Projekt mangels Alternatividee erst einmal auf Eis zu legen, denn die Szene hatte sowohl Einfluss auf vorherige Abschnitte als auch auf einen Teil der restlichen Geschichte.

Am nächsten Tag hatte die Lektorin dann die rettende Idee, wie ein kleinerer Teil der Handlung umgeschrieben werden konnte, um die Geschichte wieder nachvollziehbar und logisch zu machen. Es konnte also weitergehen.

Wenn ich mir nun aber vorstelle, ich hätte bereits das gesamte Buch vollendet gehabt, wäre der Aufwand immens gewesen. Durch die Änderungen hat sich eine neue Situation, eine zusätzliche Komponente ergeben, die ich auch im weiteren Verlauf des Romans berücksichtigen muss. Wahrscheinlich hätte ich gut die Hälfte des Buches intensiv überarbeiten, vielleicht teilweise neu schreiben müssen.

Für mich hat diese Situation gezeigt, dass das begleitende Lesen und Lektorieren des Textes einen sehr großen Vorteil bietet. Ich kann nur jedem empfehlen, es einmal auszuprobieren, sofern die Möglichkeit besteht. Durch die Rückmeldungen kann es sogar passieren, dass die Geschichte sich anders entwickelt als geplant, sei es durch die Erkenntnis, dass etwas als spannend Gedachtes zu durchschaubar ist, oder durch einen Geistesblitz der Testleser, der die Geschichte noch besser macht und in einem fertigen Roman nicht mehr berücksichtigt werden könnte.

Natürlich erspart dieses Vorgehen keinesfalls die abschließende Überarbeitung, die Betrachtung des Romans als Ganzes. Im Gegenteil: Erst beim fertigen Buch ist es möglich, die Geschichte noch einmal auf ihren Verlauf, die Spannungsbögen etc. hin zu untersuchen. Außerdem erfordert sie ein regelmäßiges Schreiben, damit die Testleser nicht den Faden verlieren und sich nicht mehr an die Zusammenhänge erinnern.

In diesem Sinne: fröhliches Schreiben und Überarbeiten!

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