Thriller-Leserunde auf lovelybooks – Erfahrungsbericht

Nachdem Anfang März „Die Frauenkammer“ neu veröffentlicht worden ist, wurde es auch wieder Zeit für eine Leserunde. Ich hatte bereits bei der Erstveröffentlichung 2013 eine Leserunde auf lovelybooks gestartet, die einigermaßen gut gelaufen ist. An dieser Stelle möchte ich über den Verlauf der aktuellen Runde berichten und auch ein paar Stolpersteine und Tipps nennen, die einem Autor oder Leser dabei begegnen können.

Was ist eine Leserunde?

Ich glaube zwar, dass die meisten schon wissen, was genau eine Leserunde ist, für alle anderen eine kurze Erklärung:

Bei einer Leserunde wird dasselbe Buch von mehreren Personen (möglichst) im gleichen Zeitraum gelesen. Während der Lektüre erfolgt ein Austausch über die jeweils gelesenen Abschnitte. Es gibt Leserunden, die von Lesern selbst organisiert werden, meist zu Büchern von bekannten Autoren. Allerdings werden Leserunden auch von Autoren geplant und betreut (oftmals sind es Indie- oder Kleinverlagsautoren).

In der Regel werden im Vorfeld einer Leserunde Bücher verlost. Dabei kann es sich um „richtige“ Bücher handeln oder auch E-Books. Teilnehmer, die sich für das Buch und die Leserunde interessieren, können sich bis zu einem bestimmten Datum bewerben, danach werden die Empfänger eines der Leserundenexemplare ausgelost (oder auch ausgewählt). Auch wenn jeder Autor hofft, dass auch diejenigen an der Runde teilnehmen, die keines der Freiexemplare gewonnen haben, ist das verhältnismäßig selten der Fall.

Wurden die Leserundenexemplare vergeben, startet die Leserunde. Der Autor teilt den Text in einzelne Abschnitte ein, über die diskutiert werden soll. Zusätzlich gibt es oft noch Diskussionsbereiche für allgemeine Themen wie Fragen zum bzw. an den Autor oder eine „Quasselecke“.

Von den Leserundenteilnehmern wird außerdem in der Regel erwartet, dass nach Beenden des Buches eine Rezension geschrieben wird.

Die Planung

Es gibt mehrere Dinge, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten. Eine der wichtigsten Fragen ist dabei: Wie viele Exemplare des Buchs können kostenlos vergeben werden?

Bei der aktuellen Leserunde konnte ich zwischen 8 und 10 Taschenbücher und noch einmal so viele E-Books vergeben. Die Erfahrung zeigt, dass Taschenbücher einen viel höheren Zulauf von Bewerbungen erfahren. Das bedeutet zum einen, dass man mit der Vergabe von gedruckten Büchern eventuell mehr Interessenten für die Leserunde gewinnen kann, andererseits liegt darin auch ein Risiko. Viele Bewerber, die vielleicht auch ein E-Book lesen würden, entscheiden sich für ein gedrucktes Buch, wenn sie die Wahl haben. Wenn ich mir die Bewerbungen meiner eigenen Leserunde anschaue, gab es 20 Interessenten für ein Taschenbuch, aber nur 5 oder 6 für ein E-Book.

Ergebnis: Ich hatte insgesamt 17 Teilnehmer, davon 12 mit Taschenbüchern (2 haben mit eigenen Exemplaren teilgenommen). Ohne Vergabe von gedruckten Büchern wäre die Beteiligung vermutlich deutlich geringer gewesen.

Kaum weniger wichtig ist der Zeitpunkt der Leserunde. Ich würde nicht empfehlen diese in die Haupturlaubszeit zu legen, wo viele der potenziellen Interessenten nicht die Möglichkeit haben teilzunehmen. Außerdem ist es wichtig, dass der Autor selbst genügend Zeit hat. Die Betreuung ist wichtig und nicht mal so nebenbei erledigt! Man sollte immer daran denken, dass eine Leserunde nicht nur dazu da ist, Feedback zu bekommen, sondern auch für den Austausch mit den Lesern.
Ich habe mich diesmal für einen Start der Leserunde nach der Leipziger Buchmesse entschieden (16. März) und bin im Nachhinein mit dieser Wahl sehr zufrieden. Die Bewerbungsfrist lief bereits eine Woche vorher ab, damit genug Zeit blieb, die Taschenbücher via Büchersendung zu verschicken. Das kann schon mal ein paar Tage dauern …

Dann wäre da noch die Wahl des Veranstaltungsortes. Es gibt viele Plattformen, auf denen man Leserunden veranstalten kann. Zum Beispiel whatchareadin, lovelybooks, Büchereule, Leserunden.de, facebook, … Welche man wählt, kommt auch sehr darauf an, wo man als Autor/Leser selbst unterwegs ist. Es kann aber nicht schaden, im eigenen facebook-Profil und bei Twitter auf die Leserunde hinzuweisen, egal auf welcher Plattform sie stattfindet. Um Bewerber und Teilnehmer zu finden, muss ja auch jemand wissen, dass es die Leserunde geben wird.

Auswahl der Leser

Ich habe in der Überschrift bewusst „Auswahl“ geschrieben, auch wenn es genauso gut eine Auslosung sein könnte. Für Autoren halte ich jedoch die Auswahl für besser, man sollte dann aber auch nicht in die Beschreibung der Leserunde aufnehmen, dass ausgelost würde.

Warum halte ich eine Auswahl für besser? Als Autor sollte man sich die Profile der Bewerber anschauen. Es gibt leider immer wieder „Abstauber“, die sich für ein Taschenbuch (manchmal auch E-Book) bewerben, dieses auch bekommen, sich aber nie wieder melden, kaum bis gar nicht an der Leserunde teilnehmen bzw. keine Rezension schreiben. Bei meiner Leserunde habe ich zwar unter den Bewerbern ausgelost, vor der Bekanntgabe aber noch einmal gegengeprüft, ob sich ein offensichtliches „schwarzes Schaf“ darunter befindet. War glücklicherweise nicht der Fall.

Es hilft hierbei übrigens auch, sich mit anderen Autoren auszutauschen, die schon Leserunden gemacht haben. Vielleicht hat der ein oder andere schon (positive oder negative) Erfahrungen mit einem Bewerber gemacht.

Wichtig: Macht in eurer Leserundenbeschreibung sehr deutlich, welche Teilnahmevoraussetzungen es gibt. Wollt ihr Rezensionen auf bestimmten Plattformen? Wollt ihr auch Leser aus dem Ausland zulassen (diese haben vielleicht keine Möglichkeit, bei Amazon zu rezensieren)? Erwartet ihr eine Teilnahme innerhalb von wenigen Tagen oder reichen auch 2 bis 3 Wochen? Es gibt viele Fragen, die besser im Vorfeld wohlüberlegt sein sollten. Es kann auch nicht schaden, ein paar Regeln für die Kommunikation festzulegen, zum Beispiel noch einmal darauf hinzuweisen, nicht zu „spoilern“ (nichts aus späteren Abschnitten zu verraten).

Einteilung des Buches

Die Abschnitte, über die diskutiert werden sollen, müssen ebenfalls einige Kriterien erfüllen. Sind sie zu lang, wird die Diskussion eventuell zu komplex, sind sie zu kurz, weiß niemand etwas Sinnvolles darüber zu schreiben.

Kapitel sind die einfachste Orientierungshilfe für die Abschnitte. Aber vielleicht gibt es ein paar wenige Schlüsselszenen im Buch? Dann könnte es sinnvoll sein, einen Leseabschnitt nach einer dieser Szenen (der wichtigsten) enden zu lassen.

Mein Buch hat keine Kapitel, daher musste ich die Leseabschnitte in Seitenzahlen angeben. Aber Vorsicht! Ein E-Book-Reader folgt anderen Gesetzen. Manche Reader zeigen echte Seitenzahlen an, manche zeigen Positionen oder nur den Fortschritt in %. Gibt es auch E-Book-Leser unter den Teilnehmern der Leserunde, sollten diese Angaben ebenfalls bei den Abschnitten mit auftauchen, sonst könnte es etwas Chaos geben.

Ich habe zu den Abschnitten noch eine Quasselecke „Dies und das“ und einen Bereich für ein „kurzes Fazit“ eingerichtet, wo der Leser eine abschließende Kurzmeinung (nicht zu verwechseln mit der Rezension) hinterlassen konnte.

Ablauf der Leserunde

Wenn alles gut läuft, äußern sich nun die Leser zu jedem einzelnen Abschnitt, den sie beendet haben. Bloß nicht ungeduldig werden! Jeder liest unterschiedlich schnell und es kann auch jedem mal etwas dazwischenkommen. Ich würde nicht empfehlen, fixe Termine für jeden Leseabschnitt zu vergeben und so Druck aufzubauen. Unter Zwang macht das Lesen keinen Spaß.

Meiner Meinung nach freuen sich Leser genauso über Feedback wie Autoren. Wenn also ein Teilnehmer seine Eindrücke von einem Abschnitt geschildert hat, dann sollte der Autor auch darauf reagieren. Sieht er es genauso? Hat er sich die Wirkung einer Szene anders vorgestellt? Wieso? …
Selbst wenn es nichts in dieser Art dazu zu schreiben gibt, kann man sich wenigstens für die Schilderung der Eindrücke bedanken.

Geduldig sein heißt nicht, ewig zu warten. Wenn sich ein Leser gar nicht in der Runde beteiligt, sollte es erlaubt sein, ihn zu erinnern. Es kann durchaus sein, dass jemand den Starttermin einfach nur verschwitzt hat. Der Ton macht die Musik, eine freundliche Nachfrage kann eigentlich nicht schaden. Das gilt ebenfalls, wenn ein Teilnehmer die Runde zwar beendet, aber die Rezension nicht (oder nicht auf einer gewünschten Plattform) veröffentlicht hat. Auch hier kann eine freundliche Nachfrage sinnvoll sein. Eine barsche Aufforderung, vielleicht sogar mit Fristsetzung ist aber wenig förderlich und kann unter Umständen sogar zu einer schlechten Rezension führen.

Umgang mit Kritik

Wer eine Leserunde plant, muss damit rechnen, dass das Buch nicht jedem gefällt. Einige Unstimmigkeiten oder Missverständnisse können sicher in der Diskussion aufgelöst werden, aber dennoch besteht ohne Zweifel die Möglichkeit, auch schlechte Rezensionen zu erhalten. Das Falscheste (ich weiß, dieses Wort gibt es nicht), das man tun kann, ist, hierauf unverständnisvoll oder sogar anfeindend zu reagieren. Das geht ganz bestimmt nach hinten los (es gibt ein paar Beispiele dieser Art, die durchs Web geistern …). Außerdem möchtest du als Autor ehrliche Meinungen zum Buch, oder?

Fazit meiner Leserunde

Für mich war die letzte Leserunde ein voller Erfolg. Ich bin sicher, dass es nicht jedes Mal so gut laufen kann, doch von den 17 Teilnehmern haben alle das Buch gelesen und rezensiert. Das ist ein großes Plus für die Buchseite bei Amazon, wo durch die Leserunde die Zahl der Bewertungen deutlich angestiegen ist. An dieser Stelle noch einmal ein herzlicher Dank an alle Teilnehmer 🙂

Mein Rat ist vor allem: Sei mit Spaß dabei und sieh eine Leserunde nicht als Pflicht an. Ich denke, die Leser werden merken, wenn du mit Freude am Austausch teilnimmst.

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