Gedanken und wörtliche Rede im Roman kennzeichnen

Heute möchte ich mich einem Thema widmen, das für das Schreiben von Büchern (Belletristik) nicht ganz unwichtig ist: der Frage, wie man wörtliche Rede, aber vor allem Gedanken innerhalb des Textes kenntlich macht. Bei Verlagsveröffentlichungen werden hierfür in der Regel Vorgaben gemacht, weshalb der Beitrag sich mehr an die Self-Publisher richtet.

Fangen wir mit einem einfachen Satz an, und zwar, dass Peter sich bei Luisa für ein Geschenk bedankt, es in Wirklichkeit aber nicht mag.

Variante 1: doppelte und einfache Anführungszeichen

„Vielen Dank, Luisa“, sagte Peter. „Das habe ich mir schon immer gewünscht!“ Insgeheim dachte er jedoch: ‚Was soll ich denn damit?‘

Alternativ mit französischen Anführungszeichen:

»Vielen Dank, Luisa«, sagte Peter. »Das habe ich mir schon immer gewünscht!« Insgeheim dachte er jedoch: ›Was soll ich denn damit?‹

Zu beachten ist dabei, dass diese Anführungszeichen nicht dem Größer-/Kleinerzeichen entspricht: << >> sind jeweils zwei Zeichen, « » jeweils nur eines und auch < sieht anders aus als das echte französische ‹.

Ich beschränke mich im weiteren Verlauf auf die Verwendung der französischen Anführungszeichen in den Beispielen, da diese meines Wissens nach häufiger in Büchern verwendet werden als die deutschen. Auch hier gilt jedoch, dass es sich oftmals um eine Vorgabe des Verlags handelt, welche Anführungszeichen verwendet werden. Als Self-Publisher kann man es dem eigenen Geschmack entsprechend machen, sollte es meiner Meinung nach jedoch über all seine Bücher einheitlich halten, sofern möglich.

Variante 2: kursive Gedanken

Anstatt die Gedanken in einfache Anführungszeichen zu setzen, kann man sie auch kursiv schreiben:
»Vielen Dank, Luisa«, sagte Peter. »Das habe ich mir schon immer gewünscht!« Insgeheim dachte er jedoch: Was soll ich denn damit?

Diese Schreibweise hat in meinen Augen sowohl Vor- als auch Nachteile zur ersten Variante. Einerseits ist die Unterscheidung zwischen » « und › ‹ nicht immer auf den ersten Blick zu sehen, sodass ein Leser vielleicht kurz stolpert. Andererseits werden kursive Wörter oft als Hervorhebung genutzt, also um dem Leser eine spezielle Betonung beim Lesen nahezulegen. Zum Beispiel: So weit war noch niemand gekommen.
Es ist also anzuraten, kursive Gedankendarstellung nicht in direkter Nähe zu anderen kursiven Wörtern zu nutzen.

Variante 3: keine Kennzeichnung

Es gibt auch Meinungen, dass jegliche Kennzeichnung von Gedanken überflüssig ist. Der Satz sähe dann so aus:
»Vielen Dank, Luisa«, sagte Peter. »Das habe ich mir schon immer gewünscht!« Insgeheim dachte er jedoch: Was soll ich denn damit?

Mir persönlich gefällt diese Schreibweise nicht so gut, auch nicht als Leser. Besonders deutlich wird das, wenn man einen anderen Satz als Beispiel nimmt (alle 3 Varianten):
›Was war das denn jetzt?‹, dachte Peter. ›Hat sie das wirklich gesagt?‹
Was war das denn jetzt?, dachte Peter. Hat sie das wirklich gesagt?
Was war das denn jetzt?, dachte Peter. Hat sie das wirklich gesagt?

Eigentlich ist in allen Varianten deutlich, dass beide Fragesätze Gedanken von Peter sind, aber: Ich würde beim lesen der letzten Variante stolpern. Der Unterschied zwischen
Was war das denn jetzt?, dachte Peter. Hat sie das wirklich gesagt? (Gedanke)
und
Was war das denn jetzt?, dachte Peter. Hatte sie das wirklich gesagt? (kein Gedanke)
ist mir zu gering.

Wörtliche Rede in Gedanken oder wörtlicher Rede

Es gibt aber noch einen Grund, weshalb ich die oben genannte Variante 2 am liebsten mag. Betrachten wir einen Beispielsatz, bei dem Peter Luisa von etwas erzählt, das Klaus wiederum ihm erzählt hat:
Peter fuchtelte wild mit den Armen. »Er hat gesagt ›Ich bringe dich um‹ und ist dann einfach abgehauen!« Er überlegte. ›Oder hat er ›Ich bringe sie um‹ gesagt?‹

Hier zeigt sich schon das Problem. Die Zeichensetzung ist konfus, in meinen Augen sogar falsch. Man müsste den Gedanken umstellen:
›Oder hat er gesagt, dass er sie umbringen würde?‹

Das gilt genauso, wenn in den Gedanken ein Begriff vorkommt, der in Anführungszeichen gesetzt werden soll, z. B. weil Ironie gekennzeichnet wird:
›Das war also ihre ›natürliche‹ Oberweite‹, dachte er amüsiert.

Besser funktioniert es mit der kursiven Schreibweise:
Peter fuchtelte wild mit den Armen. »Er hat gesagt ›Ich bringe dich um‹ und ist dann einfach abgehauen!« Er überlegte. Oder hat er ›Ich bringe sie um‹ gesagt?

Die Schreibweise ohne Kennzeichnung gefällt mir auch hier wieder nicht und lässt mich beim Lesen stolpern:
Peter fuchtelte wild mit den Armen. »Er hat gesagt ›Ich bringe dich um‹ und ist dann einfach abgehauen!« Er überlegte. Oder hat er ›Ich bringe sie um‹ gesagt?

Man könnte jetzt argumentieren, dass man den Satz auch so umstellen könnte, dass eine Kennzeichnung der Gedanken nicht mehr notwendig wäre, aber das finde ich nicht richtig. Wenn ich einen Satz formuliere, dann so, dass er mir und den Testlesern gefällt.

Schaut euch einfach einmal verschiedene Bücher von Verlagen und Self-Publishern an, wie dort mit Gedanken umgegangen wird. Vielleicht bekommt ihr schon beim Stöbern ein Gefühl dafür, was euch selbst am angenehmsten zu lesen scheint.

Ich hoffe, ich konnte euch meine Meinung zu diesem Thema etwas näherbringen. Wie macht ihr es in euren Büchern, bzw. wie habt ihr es als Leser am liebsten? Oder habt ihr vielleicht noch ganz andere Varianten? Ich freue mich auf eure Kommentare!

15 Gedanken zu „Gedanken und wörtliche Rede im Roman kennzeichnen

  1. Da hast du aber ein interessantes Thema aufgetischt!
    Ein paar Kommentare dazu:
    Die französischen Anführungszeichen » « und › ‹ sind im deutschen Buchdruck (Belletristik) Standard. In E-Books findet man oft die “ “ Typografie, das liegt aber am Unkenntnis des selbstverlegenden Verfassers, bzw. am E-Book Verlag, wenn die Vorlage diese Typografie enthält; die wird dann nicht mehr geändert, anders als bei den Druckverlagen. Mein damaliger Lektor empfahl mir, immer die französische Typografie zu verwenden, der spätere Drucker würde es mir danken!

    Zum Thema Gedanken: Leider ist es so, dass jeder Verlag das nach eigenem Gutdünken behandelt. Auch ich bevorzuge die Variante 2, also kursiv gedruckt, allerdings ohne den Zusatz: dachte er/sie. Viele amerikanische Thrillerautoren handhaben das so. Allerdings sollte diese Darstellung von Gedanken spärlich verwendet werden, sonst verpufft die Wirkung. Gedanken mit dem Zusatz: dachte er/sie schreibe ich, wenn, dann ohne Anführungszeichen, wie in Variante 3. Das Wort ›überlegen‹ benütze ich, wenn es voran steht, mit dem Doppelpunkt. In deinem Fall: Er überlegte: Oder hat er ›Ich bringe sie um‹ gesagt?
    Eine Verwechslung kursiv geschriebener Gedanken mit Hervorhebungen oder ausländischer Wörter sehe ich nicht. Das geht ja aus dem Kontext hervor. Vernünftigerweise sollte man solche Gedanken nicht direkt neben Hervorhebungen schreiben …
    Leider kann ich beim Kommentar nicht kursiv schreiben, sonst wäre die Darstellung klarer. Ich hoffe, es war dennoch verständlich.

    1. Es war sehr verständlich, Johannes. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich muss gestehen, dass ich in meinem ersten und zweiten Buch (Self-Publishing, sowohl Print als auch E-Book) die deutschen genommen habe. Erst durch die Neu-Veröffentlichung bei Amazon Publishing wurde bei „Die Frauenkammer“ auf französische und die kursiven Gedanken umgestellt. Nach einiger Zeit der Umgewöhnung gefällt mir das auch besser.
      Den Zusatz „dachte er“ usw. verwende ich auch nicht ständig, allerdings schon ab und zu, wenn es für mich passend scheint.

      Eine kurze Anmerkung zu diesem Fall:
      Er überlegte: Oder hat er ›Ich bringe sie um‹ gesagt?
      Im Grunde hast du mit dem Doppelpunkt recht, aber ich meinte das nicht als vorangestellten Zusatz für den Gedanken. Da hätte auch „Er kratzte sich am Kopf.“ stehen können.

      Übrigens ginge kursiv schreiben, glaube ich, auch im Kommentar, wenn du HTML Code nutzt *g*, also <em>kursiv</em>

      1. Er kratzte sich am Kopf. Oder hatte er ›ich bringe sie um‹ gesagt? (Der zweite Satz sollte kursiv gedruckt sein).
        Also, das mit dem HTML Code musst du mir mal erklären. Oder kannst du nicht eine minimale Textbearbeitung (kursiv/fett würde reichen) in deinen Blog einbauen? Du bist doch Spezialist.

        Da ich gerade dabei bin, zu schreiben. Ich wollte „die Frauenkammer“ herunterladen und warf einen „Blick ins Buch“. Da sind mir die französische Typografie und den Gedanken-Kursivdruck sofort aufgefallen.
        Aber … was mir gar nicht gefällt: Warum sind die Perspektivwechsel nicht durch eine Leerzeile getrennt?!! Das wäre doch das Wenigste gewesen. Dass die P-Wechsel ohne Absatz-Einrückung beginnen, ist zu wenig. Oder handelt es sich nur um einen Satzfehler von Amazon beim „Blick ins Buch?“ So wie es jetzt dasteht, verwirrt das nur. War das deine Absicht?

  2. Hallo Jonannes,

    Herzlichen Dank für Deine interessanten und verständlichen Ausführungen.
    Erlaubst Du mir dazu einen kleinen helvetischen Seitenhieb …? Ich kann bis heute nicht nachvollziehen, weshalb in Deutschland die sogenannten „französischen“ Anführungszeichen permanent verkehrt verwendet werden (mit der Spitze nach innen). Für meine schweizerischen Augen sieht das schrecklich aus, und auf jeden Fall sind’s dann eben keine „französischen“ mehr. In sämtlichen romanischen Sprachen wird das Zeichen mit der Spitze nach aussen verwendet.

    Jetzt aber ernsthaft; generell denke ich zum Thema, dass es noch eine vierte Variante gäbe: Gedanken genau so zu behandeln wie wörtliche Reden – nämlich mit identischen Anführungszeichen. Ob ein Gedanke ausgesprochen wird oder nicht, spielt für die Zeichensetzung keine grosse Rolle, beides muss einfach als Dialog erkennbar sein (äusserer oder eben innerer Dialog). In der Regel wird dem inneren Dialog-Inhalt ohnehin noch der entsprechende Beisatz vor- oder nachgestellt (Insgeheim dachte er jedoch: …), so ist für den Leser völlig klar, ob die Worte gesprochen oder nur gedacht wurden. Die Kursivschrift kann dann idealerweise ausschliesslich für Hervorhebungen verwendet werden, und die für meinen Geschmack optisch verwirrende Unterscheidung zweier Anführungszeichen-Arten entfällt.

    Aber wie gesagt: Es ist nur mein persönlicher Geschmack.

    Herzliche Grüsse und viel Erfolg mit Deinen Büchern!
    Richard

    1. Hallo Richard,

      der „Seitenhieb“ (deutsche Anführungszeichen *g*) ist absolut berechtigt. Genaugenommen heißen die Dinger ja »Chevrons«.
      Hier wird auch erklärt, dass Deutschland bei der Verwendung eine Ausnahme ist: Guillemets / Chevrons (Wikipedia). Es sind also eigentlich „umgekehrte französische“ Anführungszeichen.

      Die von dir genannte vierte Variante gibt es, aber ich würde sie nur sehr, sehr ungern lesen, denn ich finde sie verwirrend. Ein Beispiel:

      „Wie geht es dir?“, fragte er.
      „Gut so weit“, entgegnete sie. „Und selbst?“
      „Beschissen natürlich!“ „Passt schon.“

      „Wie geht es dir?“, fragte er.
      „Gut so weit“, entgegnete sie. „Und selbst?“
      Beschissen natürlich! „Passt schon.“

      Im ersten Fall müsste man ein „dachte er“ oder irgendwelche Erklärungen einfügen. Ist jetzt kein optimales Beispiel, zeigt aber, denke ich, was ich meine.

      Herzliche Grüße in die Schweiz
      Jannes

      1. Hallo Jannes

        Vielen Dank für Dein feedback. Ja natürlich, die Chevrons. Deutschland ist ja allerdings nicht die Ausnahme, sondern im germanistischen Raum der ganz grosse Leader … 🙂

        Mit Deinem Beispiel erwischst Du mich auf dem linken Fuss; hier funktioniert Variante 4 nicht. Da würde ich dann eben ein klein bisschen ausschmücken (Du nennst es „erklären“) wollen:

        „Wie geht es dir?“, fragte er.
        „Gut so weit“, entgegnete sie. „Und selbst?“
        „Beschissen natürlich!“, dröhnt sein Kopf. „Passt schon“, kriegt sie zu Gehör.

        Wichtig ist, wie wir uns alle einig sind, dass man sein persönliches Konzept konsequent durchzieht.

        Herzliche Grüsse nach Deutschland; im Moment aus der EU-Nachbarschaft, dem Land der Chevrons und Guillemets:
        Richard

        1. Ich gebe zu bedenken, dass man bei solchen Textstellen trotz Beisatz ggf. stolpert.
          Wenn ich das Beispiel lesen würde, hätte ich bei „Beschissen natürlich!“ direkt im Kopf, dass er es sagt oder ruft. Dann kommt der Beisatz „dröhnte sein Kopf“ und ich muss den soeben im Hirn gebildeten Eindruck wieder verwursten 😉
          Es ist nur ein kleiner Stolperer, aber ich fürchte, dass es (für mich) zum größeren Störer werden würde, wenn es gehäufter vorkommt.

  3. Hallo!

    Eure kleine Diskussion zu verfolgen ist ziemlich aufregend gewesen. Ich persönlich bevorzuge die Französische Variante. Ob als Autor oder Leser, so ist es einfach einfacher zu verstehen. Ich bin nun beinah 14 Jahre jung und in Bearbeitung meines eigenen E-Books. Da kann man solche kleine Auseinandersetzungen ziemlich gut gebrauchen. Falls sie einpaar wichtige Tipps zum Schreiben haben, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen!

    Liebe Grüße,
    Mariam

    1. Hallo Mariam,
      dann geht es dir wie mir (französische Variante) 🙂
      Mit 14 Jahren das erste E-Book veröffentlichen finde ich bemerkenswert. Ich drücke die Daumen dafür. Der wichtigste Tipp, den ich geben kann: Von möglichst neutralen Personen (nicht Familie) testlesen lassen und die Kritik (auch wenn es manchmal wirklich schwerfällt) ernst nehmen.
      Liebe Grüße
      Jannes

      1. Hallo,
        ja vielen Dank, das kann ich verstehen. Ich muss zugeben, anfangs war ich ziemlich verärgert darüber, dass Manche ohne Vorwarnung begonnen haben zu kritisieren. Jetzt jedoch ist es sehr hilfreich.

        Mariam

    2. Auch von meiner Seite viel Glück bei Deinem e-Book, Mariam. Mein Tipp: Jeden Tag dran bleiben, auch wenn’s vielleicht mal nur ein einziger Satz ist. Am Schluss, wie Johannes C. sagt, testlesen lassen (auch von Dir selber … mit etwas Distanz bist Du nämlich plötzlich wieder in der Leserrolle). Kritik von aussen annehmen, aber nicht um jeden Preis; nur wenn sie konstruktiv ist. Gewisse Sachen sind und bleiben subjektiv, da darfst Du auch mal auf Deinem Gefühl beharren. Andere Sachen wiederum (Rechtschreibung, Grammatik) sind quasi-objektiv und vorwiegend Fleissarbeit.

      Viel Freude wünscht Dir: Richard

      1. Ein kleiner Kommentar zum „selber testlesen“: Ich würde das nicht zu oft machen. Habe die Erfahrung gemacht, dass man sich verzettelt, wenn man den eigenen Text zu oft liest, da man immer noch irgendwas zu verbessern meint (und das macht es nicht immer besser).
        Sonst sehe ich es genauso. Bei externer Kritik muss man unterscheiden lernen, was man annehmen möchte und sollte und was nicht.

      2. Guten Tag Richard,
        ich bin entzückt über Ihre Rückmeldung! Dankeschön für die lieben Worte. Da ich seit kurzem Sommerferien habe, werde ich versuchen, jeden Tag damit zu arbeiten.

        Viele Freude zurück

        1. Hallo Mariam,
          Na dann, schöne und kreative Sommerferien – und Bescheid geben, wenn das Werk beendet ist!
          herzlich
          Richard

          1. Hallo,
            bin mal heute ein wenig nachtaktiv ^^
            Vielen Dank und ich werde mich daran halten. Beten wir mal. dass sich mein verkorkstes Gedächtnis daran erinnern wird 😀

            Mit freundlichen Grüßen
            Mariam

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