E-Book veröffentlichen – Teil 4: Fußnoten (insbes. für Kindle Paperwhite)

Im vorherigen Teil meiner kleinen Serie ging es um die Konvertierung von E-Books in .mobi und .epub Dateien. Dabei habe ich bewusst auf die Behandlung von Fußnoten verzichtet, da diese in Romanen seltener vorkommen. Dies hole ich nun an dieser Stelle nach.

Teil 4: Fußnoten in E-Books

Allgemeines

Die Verwendung von Fußnoten eignet sich, um zusätzliche Informationen bereitzustellen, die nicht in den Textfluss passen. Als Beispiel möchte ich hier Quellenangaben, Erläuterungen zu historischen Gegebenheiten oder auch Übersetzungen nennen. Während die Fußnote im gedruckten Buch unten auf der jeweiligen Seite erscheint, ist dies im E-Book in der Regel nicht möglich, da es kein festes Seitenformat gibt. Dort werden Fußnoten als Endnoten dargestellt, erscheinen also am Ende des Buches. Im weiteren Verlauf des Artikels werde ich nur von Fußnoten sprechen, auch wenn dies nicht 100% korrekt ist.

Ein Nachteil von Fußnoten in E-Books ist, dass sie normalerweise so funktionieren, dass die Zahl (z. B. 1) im Text verlinkt ist. Tippt man sie an, springt der Reader zur entsprechenden Fußnote am Ende des Buches. Möchte man nun wieder zurück, muss man dies über die „Zurück“-Taste des Readers erledigen, was in meinen Augen den Lesefluss etwas stört. Einige Reader haben inzwischen die Möglichkeit geschaffen, Fußnoten als kleines PopUp darzustellen (z. B. der Kindle Paperwhite). Hierfür ist jedoch etwas mehr Aufwand bei der Erstellung notwendig. Einen Screenshot, wie das dann aussieht, findet ihr ganz am Ende.

Bereinigung der Fußnoten

Im Artikel über die Konvertierung habe ich erklärt, wie das Dokument in LibreOffice vor der Umwandlung gesäubert wird. Dies greift allerdings nicht für die Fußnoten, denn mit Strg + A oder Bearbeiten -> Alles auswählen werden die Fußnoten nicht mitmarkiert. Um auch hier die Funktion „Direkte Formatierung löschen“ anwenden zu können, muss man sich eines kleinen Tricks bedienen.

Unter Bearbeiten -> Suchen und Ersetzen gibt es „Weitere Optionen“. Dort setzt ihr einen Haken bei „Suche nach Absatzvorlagen“ und wählt danach oben „Fußnote“ aus. Anschließend klickt ihr auf den Button „Alle suchen“ und markiert damit alle Fußnoten im Dokument gleichzeitig. Nun könnt ihr dieses Fenster schließen und über Format -> Direkte Formatierung löschen auch die Fußnoten bereinigen.

Format suchen

Zusätzlich würde ich empfehlen, auch die Formatvorlage für Fußnoten anzupassen, so dass sie möglichst wenig vom restlichen Text abweicht.

Fußnoten als PopUp

Im Grunde funktioniert nach oben genannten Schritten die Konvertierung so, als hätte das Dokument keine Fußnoten. Allerdings verhalten sich diese dann wie unter „Allgemeines“ beschrieben. Wer den Vorteil der PopUps auf dem Kindle Paperwhite nutzen möchte, muss sich etwas mehr in die Tiefen der Technik begeben. Hierfür wird ein E-Book-Editor benötigt. Theoretisch ginge es auch ohne, wäre dann jedoch unnötig komplizierter.

In dieser Anleitung verwende ich den Editor Sigil, den es für Windows, Mac und Linux gibt. Außerdem werden einige Schritte in der Anleitung für diejenigen unter euch, die sich mit HTML auskennen, zu ausführlich beschrieben sein. Ich möchte jedoch, dass möglichst viele diese Anleitung nutzen können, daher bitte ich, das zu entschuldigen.

Schritt 1: Konvertierung

Zuerst einmal folgt ihr ganz normal der Anleitung zum Konvertieren aus dem vorherigen Teil der Reihe. So könnt ihr kontrollieren, ob danach die E-Books auch vernünftig aussehen, bevor ihr auch an die manuelle Arbeit macht.

Achtung: Wenn ihr etwas in eurem Office-Dokument (also der .odt Datei) ändert und das E-Book danach mit Calibre neu umwandelt, gehen die Schritte verloren, die mit dieser Anleitung gemacht wurden. Ihr solltet dies also erst dann machen, wenn ihr sicher seid, dass das Buch fertig ist (oder wenn ihr einfach mal testen wollt natürlich).

Schritt 2: Namen (IDs) vergeben

Als nächstes öffnet ihr die .epub Datei, die Calibre euch erstellt hat, mit Sigil. Ihr solltet direkt die Datei bearbeiten, die sich in eurer Calibre-Bibliothek befindet, damit ihr später nicht mit den verschiedenen Dateien durcheinanderkommt (File -> Open).

Sigil

Wurde das E-Book  geöffnet, drückt ihr Strg + F für die Suche, die sich unterhalb des Inhalts öffnet. Dort müsst ihr bei der Auswahl für „Mode“ (Modus) den Eintrag „All HTML Files“ (Alle HTML-Dateien) statt „Current File“ (Aktuelle Datei) wählen. In das Suchfeld („Find“) gebt ihr dann ein „footnote-„. So sollte Calibre die Einträge genannt haben.

Der Cursor sollte dann zu einer Stelle im Buch springen, die etwa so aussieht:
<a class="calibre5" href="../Text/index_split_023.xhtml#footnote-1"><sup class="calibre6">1</sup></a>

Sigil

Im Screenshot seht ihr einen Markierten Textteil (blau hinterlegt). Diesen Code müsst ihr bei jeder gefundenen Stelle innerhalb eures Textes hinzufügen, passend nummeriert. In meinem Fall war das id=“fn-01″. Wichtig ist das Leerzeichen vor dem id. Am einfachsten ist es, wenn ihr die IDs durchnummeriert, also genau so, wie es Calibre auch getan hat. Steht im Textteil „#footnote-3“ nennt ihr eure ID einfach „fn-03“ oder „fnote-03“. Wichtig ist, dass die ID eindeutig ist. Das heißt, es wäre in diesem Fall nicht erlaubt, die ID „footnote-1“, „footnote-2“ etc. zu nennen, da diese bereits von Calibre vergeben wurden.

Achtung: Notiert euch die Datei, in der jede Fußnote ist, also zum Beispiel: footnote-1 in Datei index_split_003.xhtml, denn diese Information braucht ihr später noch.

Zur Erklärung: Mit einer ID wird eine spezielle Stelle im Text gekennzeichnet, die man später durch antippen eines Links erreichen können soll.

Schritt 3: Links setzen

Nachdem nun alle Ziffern der Fußnoten innerhalb des Buchinhaltes mit IDs versehen sind, müsst ihr auch auf diese verweisen. Hierzu öffnet ihr die Seite eures Buches, welche die Fußnoten enthält. Normalerweise werden diese von Calibre auf die letzte Seite gesetzt.

Eine Fußnote sieht im Code zum Beispiel so aus:
<li class="calibre8" id="footnote-1">
<p class="p-footnote">Lorem Ipsum Text der Fußnote 1</p>
</li>

Sigil

Wie ihr seht, findet sich dort ebenfalls ein Eintrag mit „id“, und zwar genau der jeweils passende zu den Verweisen im Text zuvor. Das sorgt dafür, dass der Reader zu genau dieser Fußnote springt, sobald die Zahl im laufenden Text angetippt wird. Dieser Vorgang ist bislang jedoch nur in eine Richtung möglich, denn in der Fußnote befindet sich kein Verweis zurück zum Text. Das heißt, der Leser muss die „Zurück“-Funktion des Readers nutzen und auch der Paperwhite zeigt kein PopUp.

Nun kommt der etwas schwierigere und aufwändigere Teil. Ein Verweis sieht zum Beispiel so aus:
<a href="../Text/index_split_003.xhtml#fn-01">*</a>

Hier gibt es drei Dinge zu beachten:

  1. Ihr müsst die Datei kennen, in der die Fußnote eingefügt wurde, in diesem Fall war es die Datei index_split_003.xhtml. Meine zweite Fußnote ist in der Datei index_split_008.xhtml. In welcher Datei die Fußnote ist, seht ihr ganz einfach daran, wenn ihr, wie oben beschrieben, nach „footnote-“ sucht und darauf achtet, welche Datei gerade aktiv ist.
  2. Ihr müsst die ID (das ist der Teil hinter dem #) passend zur Fußnote angeben. Wenn ihr also im ersten Schritt die ID fnote-01 vergeben habt, müsst ihr entsprechend auch den Verweis ändern, so dass dort #fnote-01 am Ende steht.
  3. Zwischen > und </a> muss Text stehen. Ich habe hier ein * gewählt, aber das ist nicht zwingend. Beachtet, dass die Nummerierung aber normalerweise automatisch erfolgt, es also keinen Sinn hat, hier „1.“ oder so zu nutzen. Der Text ist später das, was antippbar ist.

Jede Fußnote sollte nun nach der Bearbeitung etwa so aussehen:
<li class="calibre8" id="footnote-1">
<p class="p-footnote"><a href="../Text/index_split_003.xhtml#fn-01">*</a> Lorem Ipsum Text der Fußnote 1</p>
</li>

Sigil

Zum Schluss speichert ihr das E-Book einfach mit Strg + S oder File -> Save.

Schritt 4: Erneut konvertieren

Dieser Schritt ist kein Hexenwerk. Da ihr ja (hoffentlich) direkt die .epub Datei aus eurer Calibre-Bibliothek bearbeitet habt, müsst ihr nun nur noch in Calibre wieder auf „Buch konvertieren“ gehen, oben links „EPUB“, oben rechts „MOBI“ auswählen und „OK“ klicken. Jetzt solltet ihr eine .mobi Datei haben, bei der auf entsprechenden Readern wie dem Paperwhite eure Fußnoten als kleines PopUp  erscheinen. Glaubt mir, das ist viel, viel lesefreundlicher. 🙂 Bei allen Readern, die das nicht unterstützen, habt ihr so wenigstens eine simple Möglichkeit geschaffen, zurück zur Textstelle zu springen.

Achtung: Das entstandene E-Book unbedingt validieren (siehe Ende des vorherigen Teils meiner Artikelreihe). Gerade bei manuellen Änderungen am Code kann es schnell zu Fehlern kommen.

 

Ich hoffe, euch hilft diese Anleitung. Sollte etwas noch unklar sein oder schlecht beschrieben, schreibt mir einfach. Hier noch der versprochene Screenshot der Fußnote auf dem Paperwhite.

Fußnote

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