Interview mit Lukas Bender (Romanfigur / Antagonist aus „Die Frauenkammer“)

Das folgende Interview wurde gemessen an der Buchzeit in „Die Frauenkammer“ am Samstag, den 28. Juli geführt (dies entspricht in etwa Seite 30).

Guten Tag, Herr Bender. Schön, dass Sie mir für ein Interview zur Verfügung stehen.
Keine Ursache, Herr Cramer. Ich danke Ihnen für die Einladung. [Anm.: Herr Bender ist leger aber gut gekleidet und begrüßt mich höflich.]

Würden Sie sich meinen Lesern vielleicht kurz vorstellen?
Gerne. Mein Name ist Lukas Bender, ich bin mittlerweile Anfang vierzig und arbeite seit etwa zwanzig Jahren als selbstständiger Privatdetektiv.

Sie sind Privatdetektiv? Wie kam es dazu?
Nun, ich habe vor vielen Jahren – damals habe ich mich noch mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten – eine gute Freundin verloren. [Anm.: Herr Bender schaut etwas wehmütig ins Leere, als er sie erwähnt.]
Ich wollte mich einfach nicht damit abfinden, dass sie verschwunden war. Also habe ich beschlossen, die Suche nach ihr selbst in die Hand zu nehmen.

Und, haben Sie sie gefunden?
Bisher leider nicht. Allerdings hatte ich dennoch den Eindruck, dass mir diese Arbeit liegt und habe sie zu meinem Beruf gemacht. Es dauerte natürlich einige Zeit, bis die ersten Aufträge hereinkamen, doch mit der Zeit wurde es mehr und heute kann ich sagen, dass ich gut davon leben kann.

Ich habe mir sagen lassen, dass Sie hin und wieder auch für die Polizei arbeiten?
Nun ja, das kommt vor. Nicht allzu häufig, aber vielleicht alle ein bis zwei Jahre.

Das klingt doch ziemlich interessant. Und wie sehen Ihre Aufgaben dabei aus?
In der Regel erledige ich verschiedene Recherchearbeiten, für die ich nach den vielen Jahren in meinem Beruf gute Quellen habe. Personen, die nur ungern mit der Polizei sprechen zum Beispiel. Überwachungen sind auch ein Teil der Arbeit, bei der ich die Beamten unterstützen kann. Mit der Zeit habe ich meine Ausrüstung für diese Zwecke dem neuesten Stand der Technik angepasst. Man könnte fast meinen, ich wäre ein Agent. [Anm.: Herr Bender lacht.]

Was machen Sie denn in Ihre Freizeit so? Haben Sie Hobbies? Für Ihre Arbeit müssen Sie mit Sicherheit fit sein. Trainieren Sie?
„Freizeit“ ist ein Wort, mit dem ich nur selten konfrontiert werde. Aber, um Ihre erste Frage zu beantworten: Ich kann mich für Technik und handwerkliche Arbeiten begeistern. Es kann durchaus vorkommen, dass ich mehrere Tage in meinem Keller an etwas tüftele, sofern die Auftragslage dies zulässt. Ich finde es befriedigend zu sehen, wie die eigene Arbeit Früchte trägt, wie sie etwas entstehen lässt, dass mich beglückt und vielleicht auch andere beeindruckt. Ein besonderes Fitness-Training habe ich nicht. Ich jogge gelegentlich und bin allgemein viel zu Fuß unterwegs, wenn ich eine Zielperson in der Stadt unbemerkt verfolgen muss.

Meine weiblichen Leser interessiert bestimmt, ob es eine Frau in Ihrem Leben gibt?
[Anm.: Herr Bender zögert einen Moment, bevor er mir antwortet.] Ich bin schon eine ganze Weile Single.

Wie kommt das?
Nun, das ist ein wenig kompliziert. Ich möchte es so ausdrücken: Ich lebe zwar allein, habe jedoch eine Frau, für die ich mich begeistere. Allerdings haben die letzten Beziehungen nicht sehr lange gehalten und waren nur kurzfristig ein Gewinn für mich.

Sie hatten also nicht besonders viel Glück mit Frauen. Das heißt, die Frau, die Sie im Auge haben, weiß bisher noch gar nichts von ihrem Glück?
Ja, genau. Das ist richtig. Ich wollte noch etwas warten, bis ich sie in mein Geheimnis einweihe. Ich muss mir zuerst ganz sicher sein, dass ich keinen Fehler begehe. Dass sie auch die Richtige ist. Es klingt vielleicht hart, aber ich möchte meine kostbare Zeit nicht verschwenden.

Das klingt wirklich hart. Was ist denn Ihre Idealvorstellung einer Frau?
Das lässt sich schwer in wenige Worte fassen. Es beeindruckt mich, wenn eine Frau Stärke zeigt, wenn sie nicht so leicht aufgibt. Durchhaltevermögen ist ein wichtiger Aspekt. Ich kann es nicht gut leiden, wenn jemand weinerlich ist oder schnell die Nerven verliert.

Und Ihre Auserwählte erfüllt diese Ansprüche? Würden Sie uns denn vielleicht ihren Namen verraten?
Ich denke nicht, dass Ihnen der Name weiterhilft, aber gut. Sie heißt Miriam. Und ja, ich denke, dass sie diese Punkte erfüllt. Ob ich mich irre, wird sich dann herausstellen.

Und was macht sie so? Woher kennen Sie sie? Vielleicht liest sie ja dieses Interview und meldet sich.
Das geht Sie nun wirklich nichts an! Ich werde selbst entscheiden, wann der richtige Moment gekommen ist, in Ordnung?

Gut, gut. Kein Grund, sich aufzuregen. Das klingt, als würden Sie gerne alles unter Kontrolle haben. Ist es denn nicht auch mal schön, sich überraschen zu lassen, was die Zukunft bringt?
[Anm.: Herr Bender hat sich bereits wieder beruhigt. Er scheint mir ein sehr kontrollierter Mensch zu sein. Fast schon unheimlich kontrolliert.] Ich halte nicht besonders viel von Überraschungen. Wissen Sie, mit Überraschungen ist das so eine Sache. Sie können positiv oder auch negativ sein. Warum sollte ich das Risiko einer negativen Überraschung eingehen, wenn ich auch sicherstellen kann, dass sich etwas positiv entwickelt? Ich bin kein risikofreudiger Mensch. Planung ist in meinem Beruf das A und O. Stellen Sie sich vor, eine Zielperson würde mich bei einer Observierung entdecken. So etwas kann die Arbeit von Tagen, ja Wochen gefährden. Ganz abgesehen vom Image-Schaden, den ich dadurch erleiden könnte.

Vielen Dank für Ihre Zeit, Herr Bender. Möchten Sie meinen Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?
[Anm.: Herr Bender wirkt inzwischen etwas ungeduldig, weshalb ich das Interview beende.] Nein, eigentlich nicht.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und hoffe, dass sich die Zukunft mit Miriam positiv entwickelt.
Das wird sie.

Wie es sich wirklich weiterentwickelt hat, könnt ihr in „Die Frauenkammer“ lesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.