E-Book veröffentlichen – Teil 3: Konvertierung

In Teil 1 meiner Serie ging es um die Erstellung des Text-Dokuments, Teil 2 behandelte die Preisfindung und die Wahl des Vertriebsweges. Im dritten Teil möchte ich nun näher auf die Konvertierung in die notwendigen Formate für E-Book-Reader eingehen.

Teil 3: Konvertierung für E-Book-Reader

Es gibt inzwischen die unterschiedlichsten Reader für E-Books. Die wohl bekanntesten sind der Amazon Kindle (in all seinen Ausprägungen, wie dem Kindle Paperwhite) und der Tolino Shine, der bspw. von Weltbild vertrieben wird. Ich möchte mich jetzt gar nicht näher mit der Frage beschäftigen, welcher dieser Vertreter besser ist. Zu diesem Thema gibt es ausreichend Testberichte, unter anderem von der Stiftung Warentest (leider kostenpflichtig).

Wichtig für die Veröffentlichung ist jedoch, dass es hauptsächlich (es gibt noch einige mehr) zwei konkurrierende Formate gibt. Das von Amazon eingesetzte mobi-Format und das z. B. vom Tolino unterstützte EPUB-Format. Um einen größtmöglichen potenziellen Leserkreis zu erreichen, ist es in jedem Fall notwendig, beide Formate zu unterstützen. Optional kann dazu noch das PDF-Format gewählt werden, dies ist jedoch für die Betrachtung auf mobilen Geräten nur mäßig geeignet.

Die technischen Details der einzelnen Formate sollen an dieser Stelle nicht erläutert werden, dazu schaut ihr besser auf Wikipedia (Mobipocket, EPUB).

Wie immer gilt auch hier: Ich gebe nur meine persönlichen Erfahrungen wieder. Das heißt nicht, dass diese Tipps auch für dich funktionieren. Ich übernehme keine Verantwortung für die Ergebnisse.

Das Konvertierungsprogramm

Dieses Programm sollen dabei helfen, aus einem Text- oder HTML-Dokument ein E-Book im gewünschten Reader-Format zu erstellen. Es gibt einige Software zu diesem Zweck, sowohl im kostenfreien als auch im kommerziellen Bereich. Ich halte das Programm Calibre für eine gute Wahl und nutze es selbst für meine Konvertierungen, hatte bislang auch noch keine Probleme mit den entstandenen E-Book-Dateien.
Andere bevorzugen eher ein Programm wie Jutoh, doch gerade, wenn man auch eine Print- und/oder PDF-Version erstellen möchte, finde ich die Arbeit damit sehr unkomfortabel.

Vorbereitungen

Ich erstelle ein Buch grundsätzlich mit Layout, da ich das beim Schreiben einfach angenehmer finde. Das heißt meine LibreOffice-Datei hat Seitenzahlen, automatische Silbentrennung und so weiter. Für die PDF-Erstellung ist das auch das Richtige. Für E-Books jedoch nicht. Dafür sind ein paar Änderungen notwendig.

Achtung: Du solltest jetzt eine Sicherung deiner Originaldatei anlegen! Die nachfolgenden Schritte sind nicht (einfach) rückgängig zu machen. Am besten speicherst du dein Original jetzt mit dem Zusatz _ebook im Dateinamen (z. B. meinbuch_ebook.odt) und arbeitest damit weiter.

Seitenzahlen und Silbentrennung

Zuerst einmal muss das Dokument im richtigen Format und der richtigen Formatierung vorliegen. Seitenzahlen sollten aus dem Buch entfernt werden und die automatische Silbentrennung nicht aktiviert sein (siehe Teil 1 der Artikelreihe).

Inhaltsverzeichnis

Calibre (und andere Programme) bieten die Möglichkeit, automatisch aus dem Inhalt des Buchs ein Inhaltsverzeichnis zu generieren. Ist in der Buchdatei bereits ein Inhaltsverzeichnis vorhanden, dieses am besten einfach löschen.

Absätze

Oftmals werden Abstände zwischen einzelnen Abschnitten mit einer einfachen Leerzeile gemacht. Diese können bei der Konvertierung ins E-Book-Format verloren gehen. Daher würde ich empfehlen, die leeren Zeilen zu entfernen und die entsprechende Absatzvorlage so einzustellen, dass stattdessen ein definierter Abstand genutzt wird.
Absatzvorlage bearbeiten -> Einzüge und Abstände -> Abstand -> Über Absatz -> 0,40cm
Dieser Wert ist auch ein wenig Geschmackssache. Schau, wie es dir am besten gefällt.

Aufräumen

Leider kann LibreOffice (und das gilt wohl auch für andere Vertreter seiner Art) den internen Code für die .odt-Dokumente nicht „sauber“ speichern. Im Klartext heißt das, dass oftmals nicht ganze Absätze, die man als kursiv markiert hat, auch als kursiv gespeichert werden, sondern teilweise einzelne Worte oder sogar Buchstaben. Dies führt dazu, dass die Ausgabedatei (mobi und epub gleichermaßen) unnötig zugemüllt werden.
Der Grund hierfür geht etwas zu sehr ins technische Detail, so dass ich ihn an dieser Stelle nicht näher erläutern will.

Ich würde daher empfehlen, das Dokument vor der Konvertierung aufzuräumen. Das heißt im Einzelnen:

  • Suche alle Stellen im Dokument, wo besondere Formatierungen verwendet wurden, die nicht als Format definiert sind.
    Zum Beispiel: In einem normalen Absatz sind ein oder zwei Wörter mitten im Text kursiv oder fett. Oder auch der Buchtitel, bei dem nur die Schriftgröße auf eine größere Zahl gesetzt wurde.
  • Kontrolliere, ob diese Formatierungen notwendig sind. Wenn nicht: löschen. Wenn ja, notieren, denn sie werden beim Aufräumen verloren gehen.
  • Prüfe, ob du vielleicht eine Formatierung durch eine Formatvorlage ersetzen kannst. Wenn du zum Beispiel ganze Absätze kursiv benötigst, wäre es sinnvoll eine neue Absatzvorlage zu definieren, die genau dies tut.
  • Verzichte wenn möglich auf Dinge wie Kapitälchen in Überschriften
  • Nutze keinen Umlauf bei Bildern und setzte sie auf Zeichenverankerung:
    • Rechtsklick auf das Bild -> Umlauf -> kein Umlauf
    • Rechtsklick auf das Bild -> Ausrichtung -> Zentriert
    • Rechtsklick auf das Bild -> Verankerung -> als Zeichen

Wenn diese Vorbereitungen abgeschlossen sind, markierst du den kompletten Text deines Dokuments und machst einen Rechtsklick -> Direkte Formatierung entfernen. Dies bewirkt, dass alle manuell gesetzten Formatierungen aus dem Dokument entfernt werden.

Achtung: Wenn Fußnoten im Dokument vorhanden sind, müssen bzw. sollten diese gesondert behandelt werden. Diesem Thema widme ich einen eigenen Artikel.

Falls du notwendige Formatierungen gesetzt hattest (wie z. B. den Buchtitel in größerer Schrift und zentriert), kannst du diese nun wieder einfügen. Achte dabei darauf, dass du immer den gesamten Bereich auswählst, für den das Format gelten soll. Willst du also einen Satz kursiv schreiben, markiere den ganzen Satz und nicht die Wörter einzeln. Solltest du feststellen, dass du ein Wort zu viel oder zu wenig markiert hattest, solltest du das Format hierfür nicht nachträglich setzen, sondern den ganzen Absatz markieren und mit Rechtsklick -> Direkte Formatierung entfernen erst wieder bereinigen.

Wichtig:
Nun kommt ein Schritt, der auf den ersten Blick vielleicht unsinnig erscheint. Markiere dein komplettes Dokument über Bearbeiten -> alles auswählen oder Strg + A.
Klicke danach auf Extras -> Sprache -> Für den gesamten Text -> Deutsch (Deutschland).
Anschließend auf Extras -> Sprache -> Für den gesamten Text -> Auf Standardsprache zurücksetzen.

Zur Erklärung: Mit dieser Aktion zwingst du LibreOffice dazu, alle Absätze im Dokument intern neu zu formatieren. Tust du das nicht, kann es sein, dass das E-Book seltsam aussieht, denn die Absatzvorlage „Standard“ wird nicht immer explizit in der Datei gespeichert. Für LibreOffice ist es das Gleiche, ob nun ein Absatz keine Vorlage zugewiesen hat oder die Vorlage „Standard“. Nicht jedoch für Calibre.
Durch das Setzen und Zurücksetzen der Textsprache wird allen Absätzen die Vorlage wieder zugewiesen.

Wenn du diese Regeln gewissenhaft befolgst, solltest du ein E-Book erhalten, das auch „unter der Haube“ vernünftig ist.

Konvertierung

Nun ist es Zeit calibre zu starten. Inzwischen kann das Programm mit sehr vielen Quellformaten umgehen, inklusive dem .odt-Format, welches von LibreOffice verwendet wird. Die Konvertierung von diesem Format hat für mich wirklich gute Ergebnisse gebracht.

Klicke oben links auf „Bücher hinzufügen“ und wähle deine .odt Datei aus.
Dein Buch sollte nun in der Liste erscheinen. Markiere es (ggf. noch durch einen Klick den Titel und Autor anpassen) und klicke auf „Bücher konvertieren“.
Wähle oben links „ODT“ im Auswahlfeld aus und oben rechts „MOBI“. Wähle danach(!) das Coverbild für dein E-Book aus, sofern dir dieses noch nicht in der Vorschau angezeigt wird. An dieser Stelle kannst du auch noch die Daten wie Titel und Autor angeben, wenn du dies nicht vorher schon getan hast.
Wenn man noch nicht selbst alle Anführungszeichen im Dokument umgewandelt hat, kann man im Bereich „Layout“ den Haken bei „Intelligente Zeichensetzung“ setzen.
text
Es ist außerdem zu empfehlen, im Bereich Layout unten den Tab „Style-Attribute filtern“ auszuwählen und dort den Haken bei „Schriftarten“ zu setzen. Die E-Book-Reader verwenden in der Regel eine eigene Schrift.

Text
Im Bereich Struktur Erkennung muss der XPath Ausdruck im oberen Feld angepasst werden, sonst erkennt er ggf. die Kapitel nicht.

Für ein deutsches Buch, das die Wörter „Kapitel“, „Teil“, „Prolog“ oder „Epilog“ in jeder Kapitelüberschrift nutzt, wäre folgender Ausdruck geeignet:

//*[((name()='h1' or name()='h2') and re:test(., '\s*((kapitel|teil)\s+)|((prolog|epilog)(\s+|$))', 'i'))]

Bei Büchern, in denen diese Wörter nicht in den Kapitelüberschriften vorkommt, funktioniert dieser Test nicht. Daher müssten hierbei alle Überschriften als Kapitel angesehen werden. Das funktioniert mit diesem Ausdruck:

//*[(name()='h1' or name()='h2')]

Im Bereich „MOBI-Ausgabe“ vergibst du einen Titel für dein Inhaltsverzeichnis. Lässt du dies leer, steht voraussichtlich „Table of contents“ darüber, was bei einem deutschen Buch nicht besonders schön ist.
Wenn du dein Quelldokument gut formatiert hast, solltest du nichts weiter einstellen müssen und kannst nun unten rechts auf „Ok“ klicken. Anschließend dauert es einen Moment (manchmal auch länger), bis das E-Book erstellt wurde.

Nun wiederholst du die gleichen Schritte, nur dass du im Konvertierungsfenster links oben „ODT“ und rechts oben „EPUB“ auswählst.

Da du die Einstellungen alle beim ersten Vorgang schon gesetzt hast, kannst du hier einfach auf „Ok“ klicken.
Wenn alles geklappt hat (und du alles richtig gemacht hast), solltest du nun veröffentlichungsfähige .mobi und .epub Dateien haben. Am besten testest du das noch einmal, indem du dir die Dateien auf deinen E-Book-Reader lädst. Für den PC gibt es auch entsprechende Programme, die eine Vorschau ermöglichen. Für .mobi sei hier der Kindle Previewer empfohlen, der auch verschiedene Ausgabegeräte simulieren kann.
Auch die direkte Vorschau in Calibre (das Lupensymbol oben) bietet eine Möglichkeit, die Optik zu prüfen, wobei dies niemals den Test auf einem echten Reader ersetzen sollte.

Es gibt zudem eine Seite, wo man .epub Dateien online auf technische Korrektheit prüfen kann: http://validator.idpf.org/
Dabei bekommt man keine Auskunft darüber, ob die Optik stimmt, sondern nur, ob die Datei technisch okay ist.

Sollten noch Fragen offen geblieben sein, kannst du mir gerne einen Kommentar hinterlassen oder mir über das Kontaktformular schreiben.

4 thoughts on “E-Book veröffentlichen – Teil 3: Konvertierung

  1. Calibre ist kein Freeware-Programm, sondern freie Software. Freie Software kann auch kommerziell sein, nimmt im Gegensatz zu Freeware aber Rücksicht auf die digitalen Grundrechte des Benutzers. Freeware ist zwar kostenlos, gleichzeitig aber auch restriktiv lizenziert.

    Dass LibreOffice (und andere Vertreter seiner Art) Direktformatierungen nicht am Stück speichert, liegt daran, dass sie auch nicht am Stück eingegeben werden, sodass die einzelnen Bestandteile für z.B. die Rückgängigmachung weiterhin identifizierbar bleiben müssen. Abgesehen davon macht Direktformatierung insbesondere im Blick auf die Weiterverarbeitung wenig Sinn und sollte durch die Anwendung von Stilvorlagen ersetzt werden, die dann nicht-fragmentiert auf den ganzen Absatz o.ä. angewendet werden können. Die Stilvorlagen können im EPUB per CSS-Klasse angesprochen werden. Damit kann man die gesamte Konvertierung automatisieren und spart sich das Herumgefrickel mit Calibre.

    1. Das mit dem „fragmentierten Speichern“ ist mir durchaus bewusst (geht dann aber für den Artikel ein wenig zu sehr ins Technische) und auch, dass die Verwendung von Stilvorlagen anzuraten ist, habe ich ja geschrieben. Den etwas unglücklich formulierten Absatz habe ich umgeschrieben.
      Allerdings ist es ab und zu dennoch notwendig (auch für E-Books), dass einzelne Wörter oder Satzteile bspw. kursiv formatiert werden. Mit Absatzvorlagen ist das etwas schwierig 😉
      Im Artikel geht es ja auch vordergründig darum, wie eine OpenOffice (bzw. LibreOffice) Datei vernünftig aufgeräumt werden kann, damit eine Calibre-Konvertierung nicht im Chaos endet. Außerdem ist ja ePub nicht das einzige Format.

      Bzgl. dem Hinweis auf „freie Software“ stimme ich zu, das korrigiere ich.

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