E-Book veröffentlichen – Teil 1: Das Dokument

An dieser Stelle möchte ich meine Erfahrungen damit schildern, wie ich mein E-Book veröffentlicht habe, und gleichzeitig ein paar Tipps hierfür geben.

Teil 1: Das Dokument

Die Grundlage für ein sauber formatiertes E-Book ist ein vernünftiges Text-Dokument, das später für die Umwandlung in die verschiedenen E-Book-Formate (Epub, mobi, PDF etc.) verwendet werden kann.

Ich verwende für die Erstellung LibreOffice und habe damit gute Erfahrungen gemacht. Natürlich geht es auch mit OpenOffice und vermutlich auch mit Word, damit habe ich es jedoch selbst noch nicht probiert.

Zuerst einmal muss man sich ein Dokument anlegen, das die verschiedenen Formatvorlagen für Titel, Kapitelüberschrift, Inhaltsverzeichnis und Absätze enthält und optisch ansprechend sowie technisch sinnvoll formatiert. Hier ein paar Beispiele, wie ich ein E-Book formatiere.

Schriftart

Eine meiner Meinung nach sehr schön zu lesende Schriftart ist Palatino Linotype. Diese habe ich für die PDF-Version meines E-Books und für das gedruckte Taschenbuch verwendet. Die E-Book-Reader haben jedoch meist ihre eigenen Schriftarten, so dass es für die Epub- / mobi-Versionen ausreicht, die Schrift z. B. in Times New Roman mit einer Größe von 11pt zu formatieren. Ich finde, dass eine Serifenschrift für ein Buch sein muss, daher würde ich mich nicht für Arial oder ähnliches entscheiden. Eine kostenlose Schrift, die ebenfalls ansprechend ist, heißt Libertine.
Anmerkung: Auf bestimmten Geräten kann eine serifenlose Schrift lesefreundlicher sein (z. B. auf dem iPad). Vielen Dank Tim Buening für den Hinweis.

Achtung Lizenz! Wenn die Schriftart in das E-Book eingebettet werden soll (was ich nicht empfehle und was auch viele Reader nicht unterstützen), muss auf die Lizenz geachtet werden. Nicht jede Schrift darf eingebettet werden. Im Zweifel lieber sichergehen und eine kostenlose Schriftart verwenden.

Absätze

Um Absätze optisch voneinander zu trennen, nutze ich einen Einzug von 0,50 cm in der ersten Zeile jedes Absatzes. Das lockert den Text auf und macht ihn leichter zu lesen. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass nicht jeder E-Book-Reader diese Anzeige unterstützt und die Einrückung eventuell einfach ignoriert.

Den Zeilenabstand im Fließtext setze ich auf „Proportional 110 %“ und den Text formatiere ich im Blocksatz, wobei die letzte Zeile im Absatzformat auf „links“ eingestellt ist. Zusätzliche Abstände vor oder nach einzelnen Absätzen habe ich nicht.

Achtung!
Beim Textfluss keine automatische Silbentrennung einschalten! Dies ist sinnvoll für die Veröffentlichung als gedrucktes Buch oder als PDF-E-Book, führt jedoch in anderen E-Book-Formaten oftmals zu unschönen Anzeigefehlern, wo dann ein Trennstrich mitten in der Zeile auftaucht.

Überschriften

Wenn die Absätze in einer Schriftgröße von 11pt formatiert sind, setze ich die Kapitelüberschriften auf 14pt und mache sie fett. Einen zu hohen Größenunterschied zum Fließtext finde ich optisch nicht ansprechend.

Die Absatzeinstellungen der Überschriften unterscheiden sich vom Fließtext in mehreren Punkten. Der Einzug vor der ersten Zeile wird entfernt (auf 0,00 cm gesetzt). Dafür stelle ich einen Abstand von 0,21 cm über und 0,64 cm unter dem Absatz ein.

Wichtig ist noch die Einstellung für den Textfluss. Dort wird bei den Optionen das Häkchen für „Mit folgendem Absatz zusammenhalten“ gesetzt. Damit wird verhindert, dass die Überschrift noch auf der vorherigen Seite steht, der erste Absatz des neuen Kapitels aus Platzgründen aber auf eine neue Seite rutscht.

Weiteres

Zusätzlich braucht das Buch noch eine Titelseite, auf der Autor, Buchtitel und ggf. Untertitel zu lesen sind, sowie ein Impressum mit allen rechtlichen Angaben. Da ich kein Jurist bin, kann ich zu den notwendigen rechtlichen Angaben nicht viel sagen, außer dass zwingend der Buchtitel, der oder die Autor(en), eine Kontaktadresse (E-Mail) sowie – falls verwendet – die Bildnachweise und – sofern vorhanden – die ISBN genannt werden müssen.
Die ISBN eines E-Books ist immer eine andere als die des gedruckten Buches! Weitere Angaben können notwendig sein, je nachdem über welchen Kanal das Buch veröffentlicht wird.

Ich habe eine LibreOffice-Vorlage erstellt, die ihr gerne als Basis für euer E-Book nutzen könnt. Ich übernehme allerdings keine Verantwortung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Informationen.

» E-Book Vorlage für LibreOffice herunterladen

PDF-Version

Wie schon kurz angesprochen, gelten für die PDF-Version des E-Books etwas andere Vorgaben. Hier ist es anzuraten, verschiedene Einstellungen zu ändern, um eine ansprechende Optik zu gewährleisten.

  • Die Schriftart in der Absatzvorlage auf Palatino Linotype oder ähnliches (z. B. Libertine) umstellen
  • Seitenzahlen in der Fußzeile des Dokumentes hinzufügen (diese sollten im E-Book für normale Reader nicht vorhanden sein, da die Reader sie selbst setzen)
  • Automatische Silbentrennung einschalten
    Dies funktioniert in den Formatvorlagen im Bereich „Textfluss“. Ich setze hier den Haken bei „Automatisch“ und setze die Werte für „Zeichen am Zeilenende“ sowie „Zeichen am Zeilenanfang“ auf 2, den Wert für „Maximal aufeinander folgende Trennzeichen“ auf 0.

Achtung!
Die automatische Silbentrennung ist nicht unfehlbar. Ihr solltet nach dem Erstellen des PDF immer noch einmal prüfen, ob alle eingefügten Trennstriche korrekt sind. Stellt ihr ein Wort fest, bei dem dies nicht der Fall ist, könnt ihr die korrekte Trennweise in den Wörterbuch-Einstellungen hinterlegen.

In LibreOffice geht hier hierzu auf „Extras“ -> „Optionen“ -> „Spracheinstellungen“ -> „Linguistik“. Dort wählt ihr bei „Benutzerwörterbücher“ euer eigenes Wörterbuch aus und klickt auf „Bearbeiten“.
Solltet ihr noch kein Wörterbuch angelegt haben, klickt ihr auf „Neu“, gebt einen Namen ein, z. B. „mein Wörterbuch“, und klickt auf „Ok“.
Nun solltet ihr unten eine (evtl. noch leere) Liste mit Wörtern sehen. Um nun die Trennweise für ein Wort einzugeben, tragt ihr es in das Textfeld ein und markiert die möglichen Stellen für eine Trennung mit =.
Beispiel: Au=to=wasch=an=la=ge
Anschließend klickt ihr auf „Neu“ und LibreOffice sollte ab sofort das Wort nicht mehr falsch trennen.

Rechtschreibung und Grammatik

Nichts ist störender bei der Lektüre eines Buches als offensichtliche Schreib- und Grammatikfehler. Daher solltet ihr jeden Text mehrfach durcharbeiten. Sinnvoll ist es dabei, nach dem Schreiben erst einmal ein paar Tage Pause zu machen und dann noch einmal von vorne zu lesen und zu korrigieren.

Optimal ist es natürlich, wenn ihr fähige Testleser habt, die fit in deutscher Sprache und Grammatik sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass selbst bei der dritten Person, die ein Buch Korrektur liest, noch Fehler auffallen, die zuvor keiner entdeckt hat. Solltet ihr nicht die Möglichkeit haben, das Buch auf diese Art zu korrigieren, gibt es auch professionelle Korrektorate, die so etwas für euch übernehmen. Je nach Umfang des Buches kann dies allerdings von den Kosten durchaus in den hohen dreistelligen oder vierstelligen Bereich gehen.

Vor dem manuellen Korrigieren kann es sinnvoll sein, die Rechtschreib- und Grammatikprüfung des Schreibprogramms zu verwenden. Für LibreOffice und OpenOffice gibt es hierbei eine sehr gute Hilfe: LanguageTool.
Während die normale Prüfung im Office-Programm nur auf Rechtschreibfehler prüft, untersucht dieses kostenlose Plugin euer Dokument auf mögliche Grammatik- und Tippfehler. Beispielsweise sind dort Regeln hinterlegt, die bei doppelten Wörtern oder Leerzeichen, bei eventuell falscher Groß- und Kleinschreibung oder umgangssprachlichen Ausdrücken warnt.

All diese automatischen Prüfungen ersetzen aber niemals die manuelle Kontrolle und Korrektur. Ein Computerprogramm kann nicht alles erkennen, schon gar nicht wenig offensichtliche Fehler, wie zum Beispiel dieser hier:
Er ging die Straße entlang uns blieb schließlich vor einem verfallenen Gebäude stehen.
Die Prüfung hätte an diesem Satz nichts auszusetzen, ein menschlicher Leser würde aber (zumeist) sofort erkennen, dass der Finger auf der Tastatur um einen Buchstaben verrutscht ist und das uns eigentlich und heißen muss.

 

Das war mein erster Teil zur E-Book-Veröffentlichung. Ich hoffe, er war interessant und vielleicht sogar hilfreich. Im zweiten Teil will ich ein wenig über Preise und darüber schreiben, für welchen Veröffentlichungs-Kanal ich mich entschieden habe, und warum.
In einem dritten Teil werde ich mich dann der Konvertierung in die verschiedenen Formate widmen. Für Fragen und Anregungen (natürlich auch konstruktive Kritik) bin ich immer zu haben 🙂

10 thoughts on “E-Book veröffentlichen – Teil 1: Das Dokument

  1. Super interessanter Artikel!
    Und danke für die Erwähnung. Wäre gar nicht nötig gewesen 😀
    Ich finde es gut, das manche auch mal Blogeinträge verfassen, die „Neulingen“ helfen können ein Buch zu veröffentlichen. Und nicht nur andauernd dieses werben für den eigenen „Gedankenrotz“.

  2. Danke, Tim.
    Ich denke, dass ein Autorenblog nur dann auch für die Leser interessant ist, wenn auch mal andere (themenrelevante) Beiträge geschrieben werden.
    Und wenn ein Blog nicht interessant ist – warum macht man ihn dann überhaupt? 😉

  3. Die Libertine ist keine kostenlose, sondern eine frei lizenzierte Schriftart. Eine nur kostenlose Schriftart, die gleichzeitig aber restriktiv lizenziert ist, darf nicht in E-Books eingebettet werden, während eine frei lizenzierte Schriftart grundsätzlich eingebettet werden darf, selbst, wenn sie kostenpflichtig erworben wurde.

    Textverarbeitungsprogramme wie LibreOffice oder Microsoft Word sind eigentlich weniger für den Satz von Büchern oder E-Books gedacht, sondern für den Umgang mit Dokumenten (etwa im Umfeld des Büroalltags). Daraus folgt, dass man einige Verrenkungen vornehmen muss, wenn man ein qualitativ hochwertiges PDF oder EPUB daraus erzeugen will, sodass man besser von vornherein spezialisierte Programme für diesen Zweck verwendet oder sich nicht lange mit den Formatierungen aufhält, um stattdessen das Textverarbeitungsprogramm als Schreibprogramm für die Abfassung des Textes einzusetzen, wo die semantische Kennzeichnung der Bedeutung einzelner Textbestandteile dann von einem automatisierten Aufbereitungsworkflow zur Erzeugung der gewünschten Zielformate herangezogen wird.

    1. Das ist so nicht korrekt.
      Laut offizieller Webseite steht die Libertine auch unter der SIL Open Font License und darf somit eingebettet werden, sofern ein Hinweis im Impressum erfolgt. Wenn du da andere Informationen hast, wäre ich für einen Link dankbar, der das bestätigt.

      Bezüglich der Verwendung von LibreOffice etc. zum Zweck des Buchsatzes stimme ich dir nicht zu. Man kann damit sehr wohl gut aussehende Bücher gestalten, ohne sich großartig „verrenken“ zu müssen, wie du es ausdrückst.
      Natürlich nutzt man optimalerweise InDesign oder andere Satz-Programme, doch wir sprechen hier immer noch vom Self-Publishing.

      1. Freie Lizenzierung impliziert die Einbettbarkeit, da die Erlaubnis zur kostenlosen oder kostenpflichtigen Weitergabe ein wichtiges digitales Grundrecht ist. Bei Freeware muss das keineswegs ebenfalls zutreffen, da einem zwar die Schrift zur Benutzung kostenlos überlassen wurde, aber nicht unbedingt zur Weitergabe. Die SIL OFL 1.1 fordert eigentlich nicht ausdrücklich eine Nennung im Impressum, sondern die Anbringung des Urheberrechtsvermerks und den vollen Lizenztext an einer für den Leser „leicht einsehbaren Stelle“. Bei der GNU GPLv2, unter der die Schrift ebenfalls lizenziert ist, wird mittels der „Font Exception“ klargestellt, dass es sich bei der Einbettung der Schrift nicht um sog. „statisches Linken“ handelt, sodass man annehmen könnte, dass überhaupt kein Vermerk oder Hinweis auf die Libertine notwendig wäre, unter streng-formaler Auslegung müsste aber ebenfalls der Urheberrechtsvermerk und der komplette Lizenztext mitgeliefert werden, während die eingebetteten Schriftdateien selbst wohl als Quelltextform betrachtet werden können und damit den sonstigen Forderungen der Lizenz genüge getan ist. Dies ist keine Rechtsberatung 😉

        Für qualitativen Buchsatz braucht man z.B. etliche Leerseiten, um den Druck gemäß Papierbogen hinzubekommen. Selbst, wenn man die von Hand anbringt, gibt es meines Wissens keine Funktion, die diese Leerseiten nach nachträglichen Änderungen am Text neu verteilen würde. Auch geben Textverarbeitungsprogramme einfach zu viel Gelegenheit, Überschriften ohne Stilvorlagen Direktzuformatieren oder Abstände manuell durch Leerraum hervorzurufen, was dem wissenden Self-Publisher so natürlich nicht passiert, wohl aber dem unbedarften und ihn viele Stunden Lebenszeit kosten wird. Hätte er mal nur einen Blog-Post wie diesen hier aufmerksam gelesen oder ein Programm benutzt, welches solche Eingaben gar nicht erst zulässt.

        1. Dieser ausführlichen Darstellung kann ich sogar fast vorbehaltlos zustimmen (Danke dafür ;-)).

          Hätte er mal nur einen Blog-Post wie diesen hier aufmerksam gelesen oder ein Programm benutzt, welches solche Eingaben gar nicht erst zulässt.

          Das ist wahr. Aber dazu muss man auch wiederum sagen: Man lernt dazu. Als ich angefangen habe, war mir auch nicht klar, was alles zum Erstellen eines E-Books dazugehört. Dabei kann ich von mir behaupten, durchaus technisch versiert zu sein.

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