Wie „Die Frauenkammer“ entstand

Nachdem es in den letzten Tagen etwas ruhiger an der Buchfront war, konnte ich die Zeit nutzen, endlich meinen schon länger geplanten Beitrag über die Entstehung meines Romans zu verfassen.

Die Anfänge

Das ganze Projekt „Roman“ begann eigentlich aus einer Laune heraus. Ich hatte gar nicht vor, ein Buch zu schreiben. Anfang des Jahres schrieb meine Lebensgefährtin eine Kurzgeschichte über Hashi Mo., das Hashimoto-Monster. Als ich bei der Entstehung dabei war und meine Anregungen eingebracht habe, packte mich der Reiz, selbst etwas zu schreiben. So habe ich mich samt Laptop aufs Sofa zurückgezogen, wo die nachfolgenden Zeilen entstanden. Diese fanden kurz darauf per E-Mail den Weg zu meiner Lebensgefährtin im Nebenzimmer, um von ihr ein erstes Feedback zu erhalten. Mehr aus Spaß als im Ernst sagte ich damals „Ich schreibe jetzt einen Krimi“.
Nebenbei sei noch erwähnt, dass wir in der Regel nicht via E-Mail kommunizieren. 😉

Nachdenklich blickte Kommissar Frank Holper in die stumpfen, leblos starrenden Augen. Diesen Anblick hatte er nicht erwartet, als er über Funk zum Tatort gerufen wurde. Bedauerlich. Die junge Frau, die hier in unnatürlich verdrehter Körperhaltung vor ihm lag, dürfte keine 20 Jahre alt gewesen sein. Die Spurensicherung war noch nicht am Tatort eingetroffen, doch er war sich auch ohne forensische Untersuchungen sicher; ein Unfall kam als Todesursache nicht in Frage. Niemand, der bei Verstand war, verirrte sich noch in diesen Teil der Stadt. Trostlos, grau, heruntergekommen. Das war noch die harmloseste Beschreibung, die Frank Holper in den Sinn kam. Was konnte sie nur hier gewollt haben?
„Moin!“, die Begrüßung seines Kollegen Heinz Knecht riss Frank aus seinen Gedanken. „Schreckliche Geschichte…“. Heinz Knecht war nun bereits seit 15 Jahren bei der Spurensicherung, er und Kommissar Frank Holper kannten sich schon seit seinem ersten Fall. Gewöhnt hatte er sich an den sich ihm immer wieder bietenden Anblick trotz der zahllosen Fälle seiner Laufbahn bis heute nicht. Mit routinierten Handgriffen begann er seine Untersuchug der Leiche. Der blasse Körper der Frau war ungewöhnlich kalt, das passte nicht zu den milden Temperaturen, die seit Tagen herrschten. Nachdenklich teilte Heinz dem Kommissar seine Einschätzung mit. „Es ist unwahrscheinlich, dass sie hier gestorben ist, Frank. Jemand muss sie hier abgelegt haben.“
Frank Holper wunderte sich nicht. Eigentlich ein perfekter Ort um eine Leiche zu entsorgen. Spaziergänger verirrten sich nie in diese Gegend und wäre nicht ein anonymer Tipp bei der Notrufzentrale eingegangen, hätten seine Kollegen die Tote vielleicht nie gefunden.
„Haben Sie die Vermisstendatenbank bereits überprüft?“ Frank wandte sich an einen der Kollegen der Polizei, die inzwischen mit mehreren Streifenwagen am Fundort der Leiche eingetroffen waren.
„Kein Treffer, Chef.“. Der Kommissar strich sich über den stoppelig sprießenden Drei-Tage-Bart. Das machte die Identifizierung nicht leichter. Auch sein Kollege und Freund Heinz konnte bei der Untersuchung der nur spärlich bekleideten Leiche keine persönlichen Gegenstände finden, die ihm weiter geholfen hätten.

Der aufmerksame Leser wird feststellen, sofern er mein Buch bereits besitzt, dass sich am Buchbeginn gar nicht viel geändert hat. Hier und da ein paar Verfeinerungen, aber der grundsätzliche Inhalt ist gleich geblieben.

Erst einmal war dieser Text jedoch alles, was ich geschrieben habe. Für einige Wochen habe ich mich nicht weiter damit beschäftigt, doch dann, nach unserem Urlaub und noch einigen verbleibenden freien Tagen, hatte ich irgendwie Lust, aus dem kurzen Anfang eine richtige Geschichte zu machen.

Die ersten Seiten

Es war gar nicht so einfach, die ersten Seiten flüssig aufs Papier – ähm, ich meine auf den Bildschirm zu bringen. Allerdings hatte ich in meiner Lebensgefährtin eine wirklich dankbare Testleserin, und so entwickelte sich fast schon ein Ritual. Ich schrieb die meisten Abende auf dem Sofa an meiner Geschichte, sie las es anschließend, gab mir Feedback und machte Verbesserungsvorschläge.

So wuchs die Geschichte Tag für Tag und irgendwann waren es 40, dann 50, 60 und 70 Seiten. Zum ersten Mal kam der Gedanke auf, dass daraus vielleicht tatsächlich ein Buch werden konnte.

Kritik

Ich habe das Glück, dass meine Mutter eine ausgesprochene Vielleserin und dabei durchaus kritisch ist. Zudem ist sie fit in deutscher Sprache und Grammatik, was sich für die Aufgabe des Lektorats sehr gut eignet. Als ich im Roman die 100. Seite anpeilte, kamen meine Mutter und auch meine Schwiegermutter in Spe als Testleserinnen hinzu. Das positive Feedback ermunterte mich, das Buch voranzubringen und die Geschichte weiterzuentwickeln. Natürlich gab es auch kritische Anmerkungen bis hin zu Aussagen wie „das geht so aber gar nicht!“. Genau solche Hinweise sind es aber, die eine Geschichte den Feinschliff verpassen und sie besser machen.

Ich kann nur jedem empfehlen: Sucht euch Testleser! Und das nicht nur, wenn ihr vorhabt, euer Buch selbst zu veröffentlichen. Auch wenn „normale“ Verlage ein Lektorat haben, das die Texte korrigiert, macht eine Geschichte voller Fehler meiner Meinung nach keinen guten Eindruck.
Mit „Testleser“ meine ich allerdings nicht einfach nur irgendwelche Leser. Ihr solltet schon darauf achten, dass diese Leser kritisch sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es (öfter als ich dachte) passiert, dass ich als Autor unbewusst Dinge voraussetze, die dem Leser so gar nicht klar sind. Dadurch ergeben sich dann Unstimmigkeiten oder Fragezeichen in der Geschichte, die durch ein paar zusätzliche Zeilen Text meistens leicht ausgeräumt werden können.
Außerdem kommt es durchaus vor, dass sich dem Leser die Logik der Handlung nicht erschließt und der Autor noch einmal darüber nachdenken muss, ob der entsprechende Teil der Geschichte wirklich so bleiben soll und kann. Das ist mir nicht nur einmal passiert 🙂
Dann ist da noch die Rechtschreibung und Grammatik. Klar, jedes Schreibprogramm hat heutzutage eine Rechtschreibprüfung, aber die ersetzt noch lange nicht alles. Ein Beispiel:
Die junge Frau schrie uns klopfte gegen die Tür.
Die Rechtschreibprüfung würde hier nicht meckern, der aufmerksame Testleser schon. Auch was die Zeichensetzung und den Satzbau angeht, ist das Feedback der Leser viel wert.

Weihnachtsgeschenke

Irgendwann war tatsächlich abzusehen, dass aus der fixen Idee ein vollständiger Roman werden konnte. Bis jetzt wusste außer den Testleserinnen niemand in unserer Familie oder unserem Freundeskreis davon, dass ich an einem Buch schrieb. Somit hatten wir das perfekte Weihnachtsgeschenk. Was konnte persönlicher und zugleich überraschender sein als ein selbstgeschriebener Roman?

Gesagt, getan. Das Buch musste bis Oktober fertig werden, damit die Zeit ausreichte, es zu veröffentlichen, drucken zu lassen, schön zu verpacken und Weihnachten an die Verwandtschaft zu verschenken.

Recherchen

Zu einigen Themen des Buches musste ich auch Recherche betreiben und ich kann sagen: Ich habe mich zuweilen ziemlich seltsam dabei gefühlt, nach Dingen wie „Wie lange benötigt eine Leiche, um zu verwesen“ zu googlen. Meine Partnerin meinte im Scherz einmal, dass bestimmt in den nächsten Tagen ein paar dunkle PKW zur Observierung vor unserer Wohnung auftauchen würden. Bei meiner Such-Historie wäre das schon fast nicht mehr verwunderlich gewesen.

Dazu kamen auch die Recherchen, was die Veröffentlichung betraf. Aber zu diesem Thema habe ich mich ja in einem anderen Beitrag schon geäußert.

So weit, so gut

Allerdings: Jetzt, wo das Buch fertig ist und veröffentlicht wurde, ist es ganz schön schwer, es geheimzuhalten 😉

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